Wie das Blumental verschwand oder auch Gwendolyns Geschichte

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2 Jahre 7 Monate her #1157 von Gwendolyn
Gwendolyn erstellte das Thema Wie das Blumental verschwand oder auch Gwendolyns Geschichte
Das Blumental war bekannt für seine blühenden Wiesen und Felder. Es wuchsen Blumen in allen erdenklichen Farben und Prachten. In diesem Tal lebten ein paar Menschen glücklich und friedlich miteinander. Und genau in dieser Idylle lebte Gwendolyn, Tochter des Oberhaupts des Dorfes Blumental. Sie war jung und liebte es inmitten der Blumen zu liegen und den Wolken zu zuschauen. Oft fragte sie sich wo die Wolken hinzögen und ob sie irgendwann mehr Orte als nur das Blumental sehen könnte. Aber ihr Vater verbot ihr je die Grenzen des Tals zu verlassen, da viele Räuber in den Wäldern drumherum lebten. Zu diesem Zeitpunkt konnte sie sich schwer vorstellen, dass dies der Wahrheit entsprach. Während sie so grübelte rief ihre Mutter nach ihr: „Gwen, hast du die Kränze fertig? Oder träumst du wieder vor dich hin?“ Gwen hatte tatsächlich die Zeit vertrödelt und begann eilig ihre Kränze weiter zu flechten. Denn genau das war ihre Aufgabe, die schönsten Blumen jeglicher Farben und Arten ineinander zu flechten. Daraus wurden Kränze, Bänder, Gestecke und vieles was ihr sonst so einfiel. Diese wurden dann entweder in dem Händlerslädchen ihrer Mutter oder vorbeikommenden Händlern verkauft. Das Tal lag nämlich glücklicherweise zwischen zwei größeren Städten, sodass die Händlerroute hindurch verlief. Wieder schweiften ihre Gedanken zu großen Burgen ab. Sie hatte nie welche gesehen, nur die gemalten ihrer Mutter. Aber es war ein Wunsch, einmal vor eine Burg zu treten oder noch besser hineinzugehen. Genauso gern wollte sie einmal das Meer sehen. „Gwen!“ Gwen zuckte zusammen, packte schnell ihre Werke in einen kleinen Wagen und zog diesen schnell in Richtung ihrer wartenden Mutter. Denn wenn sie eins wusste, dann dass man ihre Mutter nicht warten ließ. Liebevoll lächelte ihre Mutter sie an und schaute auf die Kränze. „Oh Gwen, die sind ja wunderschön.“ Dankbar nickte Gwendolyn und ging zu den Ställen, ihren zweitliebsten Orten, neben den Blumenwiesen. Dort lebten Hühner, Schafe und ihre Hasen. Da sie keine Geschwister hatte und es in dem Tal auch keine Mädchen in ihrem Alter gab(an Jungs hatte sie kaum Interesse und schon gar nicht an dem dümmlichen Schäfers jungen der sie ständig nervte), spielte sie gerne mit ihren Häschen damit sie sich nicht so einsam fühlte.

Auf einmal hörte sie laute Stimmen und Aufruhr. Sie kam aus dem Stall um zu sehen was los war. Sie traute ihren Augen kaum. Am äußersten Rand des Tals sah sie mehrere Männer mit Fackeln und Äxten auf das Tal zustürmen. Diese brüllten und schrien. Und ab da ging alles sehr schnell. Die Männer des Tals zückten Waffen und rannten den fremden Männern entgegen. Wo war bloß ihre Mutter? Da! Sie rannte zwischen den Häusern umher und rief nach ihr. Gwen rannte ihr entgegen. Aus dem Augenwinkel sah sie die fremden Männer über ihre so geliebten Blumenwiesen stürmen. Sie trampelten alles platt und steckten alles in Flammen. Eine Träne kullerte ihr über das Gesicht. „Schtt, sieh nicht hin.“, flüsterte ihre Mutter ihr ins Ohr und nahm sie in den Arm. Dann sah sie Gwen ins Gesicht und schaute sie mit ernsten Augen an. „Gwen, hör mir jetzt gut zu. Du wirst zurück in den Stall gehen und dich in dem Heu verstecken, bis ich dich hole. Okay?“ Gwendolyn kullerten noch mehr Tränen ins Gesicht doch sie nickte. Ihre Mutter küsste sie auf die Stirn und umarmte sie ein letztes Mal. Gwendolyn lief gebückt schnell zum Stall und versteckte sich wie ihre Mutter es gesagt hatte zwischen dem Heu. Leise lauschte sie dem Tumult und vergrub ihr Gesicht in ihrem Schoß.
Auf einmal wurde es sehr leise. Die Schreie wurden weniger und auch das Waffengeklirr verstummte. Und da hörte sie den Schrei ihrer Mutter laut und schmerzerfüllt. Erschrocken schaute Gwen zwischen dem Heu hervor und krabbelte aus ihrem Versteck. Der Schrei ihrer Mutter klirrte ihr noch immer in den Ohren. Sie konnte nicht in dem Stall bleiben, sie musste nach ihrer Mutter sehen. Als sie vorsichtig aus dem Stall kam, sah sie ein Bild dass sie nie mehr vergessen würde. Die Wiesen waren zertrampelt, Ställe und Scheunen brannten, alles war verwüstet und überall lagen Bewohner reglos auf dem Boden. Überall war Blut. Panisch suchte sie mit ihren Augen nach ihrer Mutter. Und da war sie. Sie wurde von einem Mann gegen ein Haus gepresst und der Mann war über sie gebeugt. Er ließ von ihr ab und stach mit einem Messer in ihren Bauch. Hilflos musste Gwendolyn zusehen, vor Schreck erstarrt und machtlos sich zu bewegen. Ein lauter Schrei entwich ihrer Kehle und in diesem Moment sackte ihre Mutter zusammen. Der Schrei hatte Gwen wieder zum Leben erweckt. Doch auch die Aufmerksamkeit des Mannes auf sich gerichtet. „Da ist ja noch eine.“, raunte dieser und fing hämisch an zu grinsen. Er kam mit spöttischem Grinsen auf Gwen zu und rief seinem Begleiter über die Schulter zu: „Die können wir vielleicht sogar verkaufen. Aber erst wenn ich mit ihr fertig bin.“ Gwen sah wie ihre Mutter sich mit allerletzter Kraft ein Stück aufrichtete. Sie griff nach einem Stein in ihrer Nähe und warf in in Richtung des Mannes. Dieser drehte sich verdutzt zu ihr um und ließ Gwen kurz aus den Augen. Ihre Mutter blickte sie an und ihre Lippen formten das Wort: LAUF! Dann wurden ihre Augen leer und sie sackte zusammen. NEEEEEIN, schrie Gwen und die Tränen strömten ihr übers Gesicht. Doch trotz allem drehte sie sich um und rannte um ihr Leben. Sie rannte und rannte und rannte... hinaus aus dem Tal.

Das was sie immer gewollt hatte.

Alles flog an ihrem Blickfeld vorbei, Felder, Wiesen, Wälder und sie hörte erst auf zu laufen als sie Wasser sah. Fließendes Wasser. Verblüfft blieb sie stehen und schaute hinein. Kurz erschrak sie vor dem Bild. Sie sah sich selber, aber völlig zersaust, dreckig und verstört. Und da brach sie zusammen und weinte bitterlich. Sie hatte alles verloren. Alles. Und sie hatte niemanden und kannte die Welt außerhalb des Tals nicht. Des Tals was es nie wieder geben würde. Vor lauter Erschöpfung schlief sie ein. So lag sie da, die ganze Nacht und einen halben Tag, bis sie schließlich bei strahlendem Sonnenschein erwachte. Sie hatte von ihrer Mutter geträumt. Die hatte ihr gesagt, dass sie nie allein sei und alles gut werden würde. War das nur ein Traum? Gwen fühlte sich trotz der Worte ziemlich allein. Wo sollte sie hin? Was sollte sie tun?

Gwen entschloss sich dem Wasserlauf zu folgen. Und so kam sie schließlich zum Meer. Sie konnte ihren Augen kaum trauen. Sie hatte sich so sehr gewünscht einmal das Meer zu sehen und nun war ihr Wunsch wahr geworden. Sie schaute eine Weile auf die Wellen bis sie ein Geräusch hörte. Gwen drehte sich um und erstarrte. Die Männer die sie verfolgt hatten, waren wieder da. Bevor Gwen lange überlegen konnte wie sie entkam, sprang sie einfach ins Wasser. Dort lag ein kleines Ruderboot, dies schnappte sie sich und ruderte schnell davon. Gwen hatte fürchterliche Angst, denn sie kannte diese Umgebung nicht und auch das Wasser war ihr nicht so geheuer, auch wenn es ihr großer Wunsch war, einmal das Meer zu sehen. Irgendwann konnte sie die Räuber und auch das Ufer nicht mehr sehen und irgendwie beruhigte sie das. Endlich hatte sie ihre Verfolger gänzlich abgehängt. Sie merkte dass die Wellen stärker wurden und ruderte mehr dagegen, aber ihre Kräfte schwanden immer mehr. Also legte sie sich unten ins Boot um sich etwas auszuruhen. Die Aufregung, die Anstrengung und die Sonne gaben ihr den Rest und sie schlief ein.
Wach wurde sie erst als das Boot wild hin und her gerissen wurde. Es war stockfinster und es dauerte eine Weile bis Gwendolyn wusste wo sie war. Panik überkam sie. Was sollte sie machen? Wasser spritze ihr ins Gesicht und das Boot schaukelte immer mehr. Bevor sie irgendetwas tun konnte schaukelte das Boot so sehr, dass sie hinaus fiel. Und als ob das nicht genug wäre zuckte ein riesiger Blitz durch den Himmel. Kurz darauf krachte der Donner über ihr zusammen. Panisch suchte sie mit dem Händen nach dem Boot, doch sie fand es nicht. Gwen hatte nie schwimmen gelernt, sie strampelte wie wild um über Wasser zu bleiben. Immer wieder geriet ihr Kopf unter Wasser. Manchmal wusste sie kaum noch wo unten oder oben ist. Dann wurde alles schwarz und sie verlor das Bewusstsein.

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