ein Neuanfang für Klingenberg

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2 Jahre 8 Monate her - 2 Jahre 7 Monate her #1010 von Torvi
Torvi erstellte das Thema ein Neuanfang für Klingenberg
Nachdem Trystan die Bewohner von Klingenberg auf dem großen Platz versammelt hatte, betrachtete Torvi die Menschen, die sich dort eingefunden hatten. So viele mit Angst und Sorge erfüllte Gesichter, junge sowie alte, einfache Menschen, die nur um ihr Leben und ihre Zukunft bangten. Aber sie sah auch jene, die sie mit unverhohlenem Zorn betrachteten. Wäre Trystan nicht an ihrer Seite, ein Mann des Volkes, wäre sie schon längst Ziel der brodelnden Emotionen geworden, die wie eine Welle über ihr zusammen brach. Es dauerte lange, bis sich alle eingefunden hatten und Trystan die Menge mit bedachten Worten zur Ruhe brachte. Viele der Menschen vertrauten ihm, das konnte die junge Frau sehen und so hörte sie auch viele Stimmen, die jubelnd seinen Namen riefen.
Nie hätte sie geahnt, dass er hier solch ein Ansehen genoss und betrachtete ihn zum ersten Mal mit einem völlig anderen Blick. Er war nicht mehr der schüchterne junge Mann, der in ihrem Dorf lebte und mit seiner sanften Art ihr Herz erobert hatte. Dort stand ein Mann, der eine Menge zu führen wusste. Ein Mann, der das Vertrauen der Bewohner dieser Stadt genoss und der bereitwillig sein Leben für jeden einzelnen geben würde.
„Ein geborener Anführer“, dachte Torvi während sie seinen Worten lauschte und seine ruhige Art sich auch auf sie übertrug. Die junge Frau schloss die Augen und bereitete sich innerlich auf ihre wohl schwerste Aufgabe vor. Erinnerungen, wie eine sanfte Sommerbrise, kamen ihr in den Sinn. Wie oft hatte sie ihrem Vater bei seinen mitreißenden Reden gelauscht, der es vermochte selbst die störrischsten Menschen hinter sich zu einen und in den Kampf zu führen. „Du wirst eines Tages meinen Platz einnehmen!“, hatte er ihr immer wieder gesagt und sie stets an seiner Seite gehabt, wenn er zum Volk gesprochen hatte. Er wollte, dass sie eines Tages das Volk führen würde, sollte er im Kampfe fallen. Eine Berührung an ihrer linken Hand riss sie aus ihren Gedanken und Trystans große Augen betrachteten sie mitfühlend und auffordernd. Sanft zog er sie zu sich und lächelte aufmunternd. Auch in Valgards Augen sah sie Vertrauen und Zuversicht, welche ihr Kraft gab. Er hatte sie begleitet, um ihnen im Notfall beizustehen und sie zu beschützen. Der Augenblick war gekommen und mit einem tiefen Atemzug bat sie die Götter um Beistand, dass sie ihres Vaters Erbe antreten und ihm Ehre bereiten würde.
Als sie die Arme zur Gewohnten Geste ausbreitete, wurde es schlagartig totenstill. Sie hatte die Höhle des Löwen soeben betreten.

„Ich sehe viele Gesichter, erfüllt von Furcht. Erfüllt von der Angst um ihre Lieben und um ihre Heimat. Aber ich sehe auch euer Misstrauen, dass es eine Frau des Nordens wagt, zu euch zu sprechen. Und dennoch, hier stehe ich. Nicht als Nordfrau, nicht als Heidin oder all jenes, was mich von euch unterscheiden möge. Ich stehe hier, als Mensch, sowie ihr. Ein Mensch, der weiß was Furcht bedeutet. Der weiß, was es heißt Angst zu haben, um jene die man liebt…"
Mit einem sanften Lächeln sah sie zu Trystan und wendete sich dann wieder dem Volk zu.
"…und ich weiß was Angst um das eigene Leben bedeutet. So glaubt mir, stünden Krieger vor meiner Heimat, ich würde eine fremde Person auf dieselbe Art betrachten, wie ihr mich gerade betrachtet. Auch mich würde die Angst und Wut verzagen lassen, wenn jemand Fremdes meine Heimat, mein Leben bedrohte.
Doch was ist Heimat? Sind es die Mauern, die euch schützen und fallen werden? Ist es der Hof oder Haus, in dem ihr lebt und bald brennen wird? Oder die Scheune, in der ihr das Licht der Welt erblickt habt und bald zu Asche zerfallen ist? Ist es ein toter Stein, gehauen aus einem Berg? Holz, geschlagen aus einem Baum? Erde, gewonnen aus dem Boden? Oder ist es vielmehr die Familie, eure Freunde und eure Lieben, die jeden Ort zu eurer Heimat machen?
Vor vielen Monden habe auch ich meine Heimat verloren. Doch genauso habe ich eine neue gefunden. Einen Ort, den die Menschen zu meiner Heimat gemacht haben, die nun dort leben. Und das bevor die Mauern unser Dorf umschlossen, noch bevor das erste Haus gebaut, oder der erste Stall errichtet wurde. Egal wo wir uns niedergelassen hätten, wir hätten es gemeinsam zu unsrer Heimat gemacht.
Denn Heimat ist dort…"
Sie legte ihre Hand auf ihr Herz
"…wo das Herz wohnt.
Meine und eure Heimat liegt dort, wo euer Herz Ruhe findet. Bei euren Lieben, bei eurer Familie und bei euren Freunden! Steine geben euch keine Wärme, Holz keine Zärtlichkeit und selbst Erde wird nicht um euren Tot trauern."
Sie machte eine kurze Pause um Luft zu holen und um die Menschen zu betrachten, die sie nun mit Neugier, manche sogar mit Hoffnung ansahen. " Felder können neu gesät, Häuser neu gebaut werden. Und ein jeder wird euch dabei helfen!

ICH werde euch dabei helfen!

Denn eure Königin ist fort! Hat euch im Stich gelassen, als ihr sie am dringensten brauchtet und versäumte, euch zu schützen!"
Mit einer mitfühlenden Miene beobachtete sie die Wirkung ihrer Worte in den Gesichtern der Bewohner Klingenbergs. Aber auch Trystan bedachte sie mit einem entschuldigenden Blick, da sie wusste, dass er ihr immer noch im Herzen treu ergeben war.
"Großjarl Bran hat sich der elenden Räuber angenommen, die unser aller Leben bedrohen. Er tut das, was eure einstige Königin nicht vermochte, die sich stattdessen dazu entschlossen hat, vor ihrer Verantwortung zu fliehen!“
Es war ein Spiel mit dem Feuer, ihre geliebte Königin an den Pranger zu stellen, aber diesen Menschen mussten die Augen geöffnet werden“, dachte sie und fasste neuen Mut.
„Er hat mich zu euch gesandt, um euch sein Friedensangebot zu entsenden. Sein Zorn gilt nicht den Bauern, nicht den Bewohnern dieser Stadt! Es gilt jenen, die eine Gefahr für euer Leben, für ganz Flusslande sind. Jene die erkennen können, dass wir alle Menschen sind, gilt hingegen sein Schutz und sein Wort, dass jene die in Frieden leben wollen, im Norden aufgenommen werden.
Bran hat für uns alle, nicht nur den Norden sondern für alle gegen Crussol gekämpft, als sie zur Gefahr wurden. Hat gehandelt, als eure Königin und unser alter Großjarl die Augen vor eurem Leid verschlossen hatten! Und nun droht den Menschen dieser Lande erneut Gefahr! Erneut wird er handeln! Erneut zum Schutze aller Menschen! Erneut die Quelle des Übels ausmerzen! Die Menschen zu schützen ist sein Begehr und nicht, um sie zu bedrohen, wie einst Crussol es mit uns allen tat!

Ihm liegt euer,… nein, …unser ALLER Wohl am Herzen! Er will das Land befreien, vom Übel säubern und gewährt daher jedem von euch freies Geleit aus der Stadt. Keiner wird dazu gezwungen und ihr könnt frei entscheiden, wo er seine Zuflucht finden möge, bis der Wahnsinn hier ein Ende hat und endlich Frieden eingekehrt ist. Und ich hoffe, euer Weg führt euch zu uns, nach Nordwacht. Der Winter steht kurz bevor und unsere Kammern sind gefüllt. Wir empfangen jeden mit offenen Armen, der das Leben mehr schätzt als den Tot, der weiß was Heimat bedeutet und der weiß, dass es immer ein Zurück geben wird.

Eine Stadt, die keinen Unterschied macht, ob Christ oder Heide.
Es ist eine Stadt…der Menschen!
Und ist dies alles vorüber, ist der Frieden eingekehrt in den Flusslanden, bauen wir gemeinsam ein Königreich auf, wie es seinesgleichen suchen wird.
Kein Königreich des Südens oder Nordens!

Kein Königreich der Christen oder Heiden!

Lasst uns gemeinsam ein Königreich der Menschen aufbauen!" Sie nahm Trystans Hand und hielt sie in die Höhe.

"Als Brüder und Schwestern! Als EIN Volk!"
Letzte Änderung: 2 Jahre 7 Monate her von Torvi.

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2 Jahre 8 Monate her - 2 Jahre 7 Monate her #1090 von Trystan Warrick
Trystan Warrick antwortete auf das Thema: ein Neuanfang für Klingenberg
"Lasst uns gemeinsam ein Königreich der Menschen aufbauen!"

Die junge Frau griff nach seiner Hand, während er sie anlächelte. Trystan war verblüfft von ihren Redekünsten, die er niemals von ihr erwartet hätte. Er betrachtete gespannt die Menge und beobachtete erstaunt, dass seine Hoffnung sich erfüllt hatte. Die Bewohner, die sich eingefunden hatten, waren von den Worten der jungen Frau ergriffen und ihre Gesichter hellten sich langsam auf. Torvi hob ihre und Trystans Hand und rief mit voller Inbrunst in die Menge…

"Als Brüder und Schwestern! Als EIN Volk!"

Nachdem die Rothaarige ihren Satz beendete war es einen Moment still, ehe irgendwo in der Menge eine Frau begann zu klatschen. Bald schlossen sich viele dem Applaus an und ein reger Jubel brach aus. Die Menge klatschte ergriffen und jubelten der jungen Frau zu. Jemand fragte nach ihrem Namen und mit ihrer warmen Art, die er so an ihr liebte, antwortete sie der älteren Frau. Von Umstehenden wurde der Name aufgegriffen und es dauerte nicht lange bis ein jeder wusste, wer zu ihnen gesprochen hatte. In den Augen seiner Liebsten konnte er deutlich sehen, wie erleichtert sie war und wie sehr die Reaktion des Volkes ihr Herz berührte.
Trystan hatte in diesem Moment jeden Zweifel verloren, dass die Bewohner Klingenbergs die junge Nordfrau missachten oder gar verstoßen würde, da sie zu jenem Volk gehörte, welches nun diese Mauern bedrohte. Aber nun war er überglücklich, dass Torvi ihn begleitete und es geschafft hatte, mit diesen Worten eine ganze Stadt für sich zu gewinnen und ihr Leben zu retten. Wenn er in die verschiedenen Gesichter blickte, erkannte er Hoffnung und sogar Vertrauen, dass die vernommenen Worte wahr werden mögen. Er hatte sich zu Begin bewusst neben sie gestellt, um den Menschen zu demonstrieren, dass er dieser Frau vertraute, wie das Volk ihm vertraute. Und dieses Vertrauen ging nun auf die Menschen über und er konnte das rege Treiben vernehmen, den Aufbruch, ausgelöst durch die bewegende Ansprache.

„Worauf warten wir noch? Wir sollten unsere Sachen packen!“, hörte er, konnte aber in der Menge nicht ausmachen, wer diese Worte sprach. Aber es war ihm gleich. Was zählte war, dass die Menschen ihre Angst verloren und friedlich die Stadt aufgaben. Überall sah er, wie die Bewohner in ihre Häuser gingen und ihr weniges Hab und Gut auf Pferdekarren verstauten.
Zufrieden, glücklich und strahlend sah Trystan die junge Frau aus dem Norden an, reichte ihr eine Hand, woraufhin sie diese lächelnd annahm und von den Kisten hinab stieg, die sie als Podest genutzt hatte. Er schmunzelte, sah ihr staunendes Gesicht, leicht gerötet durch die Aufregung und nun glücklich, dass sie diesen Menschen einen neuen Weg offenbart hatte. Valgard klopfte dem Paar anerkennend auf die Schulter, grinste breit und scherzte, dass Bran nun ein langweiliger Kampf gegen Mauer und Burg bevorstand. Aber Trystan sah ihm an, dass auch Valgard froh darüber war, dass sie von ihren Waffen keinen Gebrauch machen mussten. Denn eigentlich hatten die beiden Krieger erwartet, dass es einige geben würde, die sich trotz allem nicht von den weisen Worten der jungen Frau beeindrucken ließen, da sie nun mal „der Feind“ war. Die Stimmen gegen Bran, den Eroberer, den Schlächter, verstummten. So schien es jedenfalls. Die alte Dame, die zuvor nach Torvis Namen gefragt hatte, kam auf die drei zu, bedankte sich für die herzergreifende Rede und bestand darauf, der jungen Frau ihren Segen auszusprechen. Torvi lächelte verlegen und beatnwortete jede Frage der Älteren mit einem Strahlen, welches Trystans Herz berührte. Die junge Frau spürte es offenbar, lächelte ihn an und bedeutete den Männern, dass sie schonmal vorgehen mögen. Die alte Dame redete wie ein Wasserfall und lobte die junge Frau für ihre Weisheit. Grinsend gingen die Männer ihrer Wege, Valgard leicht spottend, dass er froh war, nicht dem Wortschwall der alten Vettel ausgeliefert zu sein, wie es Torvi nun war. „Kein Blut, keine Prügelei? Daran merkt man, dass es eine Christenstadt ist“, scherzte Valgard und die beiden Männer lachten, die Anspannung nun völlig vergessend und unterhielten sich rege auf dem Weg in das Haus, in dem sich das Trio auf die Ansprache vorbereitet hatte. Es war ein kleines Haus mitten in den Gassen Klingenbergs, welches Trystan als Bleibe genutzt hatte, wenn ihn seine Pflichten nach Klingenberg führten. Trystan drehte gerade den Schlüssel im Schloss, als er seine Beobachtungen während der Rede mit seinem Schwertbruder teilte. Auch ihm war während der Rede nichts aufgefallen, denn dies war der Zeitpunkt, an dem Trystan einen Angriff am wahrscheinlichsten gehalten hatte, um die Moral der Menge zu brechen und ihre Angst und Wut gegen die Fremden zu richten.
Ein klackendes Geräusch, die Tür des Hauses ging auf und ein lautes Geräusch, ein Aufschrei, ließ Trystan instinktiv umdrehen und zur Waffe greifen, die er immer noch bei sich trug. Auch Valgard griff nach seinem Bogen und nahm einen Pfeil aus dem Köcher, nockte ihn ein und suchte in der Menge nach dem Ursprung, bereit sich und seinen Freund zu verteidigen. Trystans Augen weiteten sich, als er einige vermummte Gestalten sah, welche mit leichten Waffen gerüstet, auf sie zu schritten. Das rege Treiben hatte sich in ein Chaos verwandelt, da einige der Bewohner den Schrei gehört, die Gefahr erkannt und die Flucht ergriffen hatten.

„Wir werden angegriffen!“,
schrie jemand, doch paradoxerweise kam es aus der Richtung, wo Trystan die vermummten Gestalten erspäht hatte. Einer von ihnen hatte den Mundschutz vom Gesicht gezogen, grinste Trystan hämisch an und rief erneut.

„ Die Barbaren greifen an! Die Hexe hat uns belogen!“

Mit Schrecken geweiteten Augen offenbarte sich Trystan der trügerische Plan. Zu spät! Die Gestalten trugen keine Gewänder, wie Bauern oder einfache Menschen sie trugen, die im Süden lebten. „Diese Bastarde“, fluchte Valgard laut, dem auch aufgefallen war, dass die Fremden Waffen und Kleidung von Nordleuten trugen. Dieser hob seinen Bogen, zielte und dann ein Schrei. Valgard senkte sofort seine Waffe, blankes Entsetzen war unverkennbar aus seinen Gesichtszügen abzulesen.
Die beiden Männer sahen sich an, Panik lag in ihren Blicken und beide wussten, wer dort geschrien hatte. Hektisch suchten sie in der Menge nach dem Ort, woher er kam. Trystan blieb beinahe das Herz stehen, als er eine rothaarige Frau auf dem Boden liegen sah. Die zierliche Hand auf die Seite gepresst, bildete sich langsam eine Blutlache auf dem gepflasterten Boden. Eine der falschen Nordmänner stieß die Leiche einer alten Frau beiseite und holte mit seiner Axt aus, fiel jedoch rücklings zu Boden, als ein Pfeil genau zwischen den Augen sein Ziel fand. Trystan erwachte schlagartig aus seiner Erstarrung und bedankte sich mit einem Nicken bei Valgard, der bereits den nächsten Pfeil auf die Sehne legte und ein neues Ziel suchte. Etwas hatte sich in den Augen seines Schwertbruders verändert. Torvi war für Valgard wie eine Schwester und so wunderte es Trystan nicht, dass sich der Blick des Nordmanns in kalte Wut verwandelt hatte, die nun die Sorge verdrängte, die er zuvor bei ihm gesehen hatte. Er konnte es seinem Freund nicht verdenken, auch wenn ihn die Mordlust erschaudern ließ, die sein Freund nun ausstrahlte und wie ein Raubtier seine Beute suchte. Lange musste er auch nicht suchen, denn die Straße entlang hatten sich ebenfalls einige Gestalten in nordischer Kluft aufgebaut. Verzweiflung wich dem Zorn, der nun in Trystan aufbrodelte, dem er mit dem Brüllen eines Löwen Luft machte und mit gezogenem Schwert auf Torvi zurückstürmen wollte, um sie zu retten. Doch Valgards fester Griff auf seiner Schulter hielt ihn davon ab. Das Gesicht seines nordisches Freundes war in tiefe Schatten gehüllt.

„Warte du Narr!“, fluchte er gepresst. Trystan konnte sehen, dass Valgards Körper bis zum Zerreißen gespannt, ebenso wie der seine.
„Sieh!“, forderte er den jungen Mann auf, der seinem Blick folgte und sah, wie sich die Angreifer kampfbereit machten und in ihre und Torvis Richtung kamen. Sie hatten die Schwachstelle der beiden Männer entdeckt und nutzen nun das Chaos der Stadt, um sich ihnen zu nähern und die Stimme der Hoffnung zu vernichten. Einer fiel mit einem Pfeil im Hals zu Boden, woraufhin Trystan seinem Freund anerkennend auf die Schulter klopfte. Pfeil um Pfeil fand sein Ziel und schütze die Verletzte vor nahenden Angreifern.
„Lauf! Ich gebe dir Rückendeckung!“, brüllte Valgard und schoss im Laufschritt jeden nieder, der es wagte der jungen Frau zu nahe zu kommen, die sich eben noch voller Inbrunst für das Leben aller eingesetzt und ihr eigenes aufs Spiel gesetzt hatte.
Die Angreifer stoben auseinander und zu spät erkannte Trystan seinen fatalen Fehler. Sie hatten Torvi zwar rechtzeitig erreicht und konnten sie nun besser schützen, aber gleichwohl hatten sie die Deckung des Hauses aufgegeben und sahen sich nun von Feinden umzingelt. Valgard fluchte etwas in einer Sprache, die Trystan nicht verstand und schaute verdutzt, als sein Freund die Sehne des Bogens durchtrennte und diesen, wie einen Speer, dem nächsten Angreifer in den Magen stieß.
Die Hände nun frei, hob Valgard die junge Frau vom Boden auf, hielt sie mit einem Arm fest und zog mit der anderen eine Wurfaxt aus seinem Gürtel, das Schwert griffbereit auf dem Rücken. Ein ungläubiges Grinsen schob sich über seine Gesichtszüge und auch Trystan konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken. „Eine wahre Nordfrau!“, sprach Valgard anerkennend, da Torvi ihren Dolch schützend vor sich hielt. Einer der Angreifer machte den Anfang und stürmte unüberlegt auf die drei zu, die anderen folgten kurz darauf.

Und so began es...

Der erste Aufprall war bereits tödlich. Der Mann schlug mit seinem Kurzschwert nach Trystan, doch die längere Klinge des erfahreneren Kämpfers bohrte sich tief in die Brust des Angreifers, während der Nächste zu Boden fiel, getroffen von Valgards Wurfaxt. Ein Schwert kratzte über Trystans Brustplatte, der dem dazugehörigen Angreifer mit seinem Schwertgriff ins Gesicht schlug. Er sandte ein stummes Gebet an Tyr, dankte ihm für seinen Schutz und stürzte sich mit einem weiteren wuterfüllten Schrei in den Kampf. Hieb auf Hieb, Schlag auf Schlag. Einer der Angreifer nutze eine Lücke, holte mit dem Schwert aus, um Torvi den Kopf abzuschlagen, doch Valgard zog sie aus der Gefahrenzone und stieß sie in einen der nahestehenden Strohkarren, um den tödlichen Schlag mit seinem Schwert abfangen zu können. Valgard und Trystan schlugen zu, parierten, jeder Schritt synchron und aufeinander abgestimmt. Wie eine Person kämpfend, unterstützten sie sich im Kampf, Männer die unterschiedlicher nicht sein konnten. Das Gefühl kam Trystan bekannt vor, doch schob er hastig den ablenkenden Gedanken an seinen einstigen Freund beiseite, eher er geschickt einem Hieb mit dem Dolch auswich und dem Angreifer sein Schwert zur Antwort in den Bauch stieß. Er hörte es hinter sich knurren, während Valgard wie ein Wolf seinen Freund verteidigte und jedem ein Körperteil abschlug, der es wagte, dem Karren zu nahe zu kommen, in dem die verletzte Torvi Schutz gefunden hatte. "Wer sich mit dem Wolfsrudel anlegte, musste damit rechnen die Fänge zu spüren", dachte Trystan. Der Kampf schien ewig zu dauern bis Valgard und Trystan die Gruppe aus etwa fünfzehn Mann bezwungen hatten. Die übrigen falschen Nordmänner wägten ab, ob sie den Angriff gegen die erfahreneren Krieger weiter fortführen sollten, doch einer von ihnen schrie ihnen fanatische Worte zu, die sie wieder zum Kampf aufstachelten.

Ein wütender Schrei ließ die beiden Männer rumfahren und mit erschrockenen Blicken sahen sie die mit Piken, Speeren und Kurzschwertern bewaffnete Masse an Menschen, die sich in ihrem Rücken genährt hatte. Trystan tauschte einen besorgten Blick mit Valgard, zog sein Schwert in Ehrerbietung vor sich und nickte seinem Freund zu. Seine Geste wurde mit einem Schlag auf die Brust erwidert, etwas, was das Nordvolk gerne tat, um ihren Respekt auszudrücken.
Valgard grinste. Dieses seltsame Volk, das bereitwillig, ja sogar sehnsüchtig kämpfte. Scheinbar darauf hoffend, im Kampf zu sterben. Trystan würde es nie verstehen. Zumal es sich doch lohnte, für das Leben zu kämpfen, auch wenn er bereitwillig sein Eigenes für Torvi geben würde, um sie zu schützen. Doch lieber verbrachte er ein ganzes Leben an ihrer Seite als heute zu sterben. Umso verwunderlicher war die Kampfeslust seines Freundes. Trystan wusste, dass er Elfrun in den letzten Monaten näher gekommen war und hatte sich über alle Maßen gefreut, dass sich die beiden gefunden hatten. Er erinnerte sich noch, wie Elfrun ihm zuvor ihre Zuneigung gestanden hatte und erinnerte sich ebenso an ihr gebrochenes Herz, da er ihr nicht das geben konnte, was sie suchte und erhoffte.
Trystan schüttelte den Kopf. Keine Zeit um an Vergangenes zu denken. In dem Karren lag seine Zukunft, verletzt und er würde sie bis zum bitteren Ende verteidigen. Und er war froh, dass Valgard ebenso gut mit ihr befreundet war und auch sie bis zum Schluss schützen würde. Etwas, dass er bei diesem Volk beneidete. Jeder starb bereitwillig für einen Freund oder geliebte Person. Der junge Christ atmete tief durch, wappnete sich für seinen wohl letzten Kampf. Wie gern er ihr nochmal gesagt hätte, wie sehr er sie liebte. Noch einmal ihre Stimme hören, die es ihm lächelnd erwiderte.

NEIN!

Er würde heute nicht sterben! Rücken an Rücken standen sie, bereit die wütende Menge zurück zuschlagen, die sie von beiden Seiten bedrohte. Und dann prallten Stahl auf Stahl, Holz zerbarst unter den starken Hieben, Schreie des Schmerzes übertönten beinahe jedes andere Geräusch. Wie ein roter Schleier trübte die pure Verzweiflung seine Sinne.

Ich will leben!
Er klammerte sich an diesen Gedanken mit jedem Schlag, den er ausführte.

Ich will leben!
Blut spritze ihm ins Gesicht, als er jemanden sein Schwert in den Hals schlug und die Kehle aufriss.

Ich will für SIE leben!
Vor Schrecken weiteten sich die Augen seines Gegenübers, ließ ihn taumeln als er schließlich tot zu Boden sank. Sein Nachbar, vom gleichen Blick erfüllt, hielt für einen Moment inne, den Trystan ausnutzte, um ihn sein Schwert in den Bauch zu rammen. Ein jäher Schmerz durchfuhr ihn, als der sterbende seine Waffe gegen Trystans Kopf schlug. Der Helm verhinderte das Schlimmste, doch der Riemen riss und sein Kopfschutz fiel scheppernd zu Boden. Instinktiv packte er seinen Feind am Kragen, zog ihn ruckartig zu sich und setzte ihn mit einer Kopfnuss außer Gefecht. Er würde bewusstlos sterben, dachte sich Trystan und wappnete sich für seinen nächsten Widersacher. Kampfeslärm, Schreie des Schmerzes und der Wut dröhnten in seinen Ohren, die Sicht vom Blut seiner Feinde verschwommen, sah er den nächsten Hieb nicht kommen. Ein Schwert glitt scharf an seinem Kopf vorbei, verfehlte seinen Hals um Haaresbreite und verursachte einen brennenden Schmerz an seiner Schulter. Sein Gegner hatte zwar sein Ziel verfehlt, aber dennoch eine Lücke in seiner Rüstung gefunden, wenn auch durch Zufall. Sein Schwert sackte zu Boden, doch würde er es nicht rechtzeitig in seine andere Hand legen können. Was nütze es ihm, mit beiden Händen kämpfen zu können, wenn ihm die Zeit fehlte, die Schwerthand zu wechseln.

Die Klinge, die sein Ende bedeutete, blitzte auf und fuhr herab….zielte auf seinen nun schutzlosen Kopf…
Letzte Änderung: 2 Jahre 7 Monate her von Torvi.
Folgende Benutzer bedankten sich: Forthwyn, Frieda, Adelina, Razlov Krishkin, Torvi, Valgard Asmundsson, Toradur

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