Was übrig bleibt...

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2 Jahre 10 Monate her - 2 Jahre 10 Monate her #766 von Brianni Carpenter
Brianni Carpenter erstellte das Thema Was übrig bleibt...
Das wars. Es gab nichts mehr für sie. Alles war zerstört, verbrannt, erschlagen.
Was wollte sie noch hier? Der Hof war nicht mehr ihr Heim. Die Mutter, lange fort, geflohen vor dem trinkenden, prügelnden Ehemann, das Kind zurückgelassen. Der Vater saß im Kerker, nachdem er im Suff einen Tavernengast erschlug und wartete auf seine Hinrichtung.

Jegliche Arbeit, die Brianni hier allein geleistet hatte, in einem Überfall durch Banditen, verpufft in einer Rauchwolke, die Tiere niedergemetzelt oder geraubt. Die Ernte vernichtet. Sie hatte nichts mehr, ausser der Kleidung am Leib, kaum mehr als Lumpen. Was sollte sie tun?
Der Winter war nicht mehr fern und in der Stadt sah es für arme mittellose Frauen mehr als elend aus. Sicher, sie könnte ihren Körper verkaufen, aber der Preis war höher als jeder Gewinn daraus.

Suchend wühlte sie in der Asche ihres Hauses. Plötzlich streiften ihre Finger ein Stück Leder. Konnte es sein? Sie zog einen alten Beutel aus dem Dreck und wischte ihn ab.
Ein Lichtschimmer glühte in ihrem Geiste auf: Die Börse ihrer Mutter. Als sie den Beutel schüttelte, klimperte es leise darin, ein paar Münzen. Als Brianni ihn öffnete fand sie einige gesparte Heller und ein Amulett, das ihrer Mutter gehört hatte. "Nun, dann kann ich zumindest das zu Geld machen." dachte sie. Auch arbeiten wäre ihr noch möglich, immerhin ist sie dem Überfall unbeschadet entgangen, weil sie gerade im Wald Holz sammeln war, als die Banditen auftauchten. Eigener Hände Arbeit war ihr keine Last, mit Holz etwas zu fertigen immer eine Freude.
Sie suchte weiter, bis sich ihre Hand um einen kleinen Dolch legte. "Ein Werkzeug und einen Waffe, wie mans nimmt."
Es konnte nur besser werden.

Brianni ging zur Scheune, die nur aus rauchenden Trümmern bestand. Hier waren ihre Schafe gewesen. Gefüttert und umsorgt, die Wolle und die Milch für den Eigenbedarf oder für den Verkauf bestimmt. Die meisten Tiere waren weg, aber ein verkohlter Kadaver Lag unter einem schwelenden Balken eingeklemmt. "Vielleicht kann ich wenigstens noch etwas Fleisch retten..."
Mit einen Stück Lumpen umwickelte sie sich die Hände und schob das Holzstück zur Seite.
Sie fing an zu schneiden.
Letzte Änderung: 2 Jahre 10 Monate her von Brianni Carpenter.
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2 Jahre 10 Monate her #768 von Brianni Carpenter
Brianni Carpenter antwortete auf das Thema: Was übrig bleibt...
Brianni hatte etwas zu Essen und ein paar Münzen. Das Amulett zu verkaufen wäre die nächste Möglichkeit, wieder auf die Beine zu kommen. "Nicht aufgeben!" ermahnte sie sich selbst. Dann machte sie sich auf den Weg in die Stadt, um einen Pfandleiher aufzusuchen, der ihr das Schmuckstück abkaufen würde. Ihr war bewusst, dass sie keinen großen Gewinn erwarten durfte, waren diese Krämer doch allesamt Halsabschneider.

Etwa eine Stunde später erreichte sie das Stadttor, vor dem die Wachleute gelangweilt standen. Sie würdigten Brianni in ihrer abgerissenen Kleidung kaum eines Blickes. Also huschte sie rasch durch das Tor und begab sich Richtung Hafen, wo sie die Ankäufer und Kleinhändler wusste. Hier stank es widerlich nach altem Fisch und Seetang, aber das gehörte wohl dazu. In der Gasse vor ihr gab es mehrere kleine Läden, mit verblichenen Aushängeschildern. Das Schild des Pfandleihers trug eine schlecht gemalte Schatztruhe. Brianni musste darüber schmunzeln. "Na, das Lachen hab ich noch nicht verlernt." ging ihr durch den Kopf. Sie trat in einen muffigen, verstaubten Raum, in dem Regale voller Krempel lagen: rostige Werkzeuge, angelaufener Schmuck, abgetragene Kleidung, modrige Folianten. Sie sah ihre Chancen schwinden, hier zu Geld zu kommen.

"Heda, Meister, hier ist Kundschaft" rief sie in die Stille.
Ein verhutzeltes Männchen kam hinter einem löchrigen Vorhang hervor und beäugte sie überrascht.
Wollt ihr kaufen oder verkaufen?
Verkaufen, leider. antwortete Brianni. Banditen haben mir fast alles genommen, Ich hab nicht mehr viel, aber irgendwie muss ich über die Runden kommen. Mit diesen Worten zog sie das Amulett aus dem Beutel und hielt es dem Händler zur Begutachtung hin. Wieviel könnt ihr mir hierfür bieten?
Der Mann verzog das Gesicht. Das ist aber ein sehr altes Teil, nicht gut gepflegt und vermutlich werde ich das gar nicht mal los. Kaum jemand glaubt heutzutage noch an die alten Götter, wisst ihr.
Er blähte die Backen auf. Ich kenne aber zufällig einen Sammler, der diese Art von Schmuck sucht und möglicherweise auch einen guten Preis zu bezahlen bereit ist.
Und Ihr möchtet jetzt sicher, dass ich Euch das Stück überlasse, damit Ihr mit dem Sammler verhandeln könnt? fragte Brianni argwöhnisch.
Oh, nein, nein, das ist gar nicht meine Absicht, denn ich sammle diese Art von Schmuck und werde Euch nicht übers Ohr hauen, jedenfalls nicht sehr! Was sagt ihr zu 20 Silbermünzen? Der Händler lachte lauthals.
Brianni wusste, dass sie jetzt eigentlich feilschen sollte, aber gleichzeitig, dass die angebotene Summe mehr war, als der tatsächliche Wert des Amuletts. Ausserdem war sie müde und erschöpft von der Last des Tages. Also schlug sie in den Handel ein und versetzte das Schmuckstück. Der Händler schien sehr erfreut, dass er nicht weiter bieten musste, hatte er doch soeben seine Sammlung für einen äußerst geringen Preis vervollständigt und konnte diese mit großem Gewinn weiterverkaufen.
Brianni dankte dem Mann und verabschiedete sich.
Es wurde Zeit sich einen Schlafplatz zu suchen.
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2 Jahre 10 Monate her #769 von Brianni Carpenter
Brianni Carpenter antwortete auf das Thema: Was übrig bleibt...
In einer schäbigen Schänke am Hafen nahm sich Brianni eine kleine Kammer unter dem Dach. Im Gastraum wollte sie sich nicht lange aufhalten, weil hier die Seeleute ihre Heuer versoffen und laute, trinkende Männer ihr zuwider waren, da sie sie an ihren Vater erinnerten. Sie bestellte sich einen Krug Kräutersud und nahm ihn mit in ihre Kammer. Auf der muffigen Strohmatraze ausgestreckt, grübelte sie über ihr weiteres Vorgehen nach, so dass sie noch bis lange nach Mitternacht wachlag.

Das Klatschen der Wellen im Hafenbecken lullte sie schließlich in den Schlaf. Im Traum sah sie ihre Mutter, die mit einem Boot über das Meer fuhr, mitten in eine riesige Nebelwand hinein.

Am nächsten Morgen verzehrte sie die Reste von dem Hammelfleisch, trank den letzten Schluck aus der Kanne und verließ die Schänke.
An einem Bäckerstand kaufte sie sich ein trockenes Stück Brot, das sie in ihrem alten Beutel aufbewahrte. Viel besaß sie nicht mehr, ein paar Silberlinge nur.
Im Hafen schaute Brianni den Schiffen zu, die in die Ferne fuhren, und denen die ankamen.
Nur weg von hier, das wollte sie. Hier hielt sie nichts mehr.
Keine Familie, kein Hof, kein Glück.
Ein Neuanfang, irgendwo, wo niemand sie kannte und sie niemanden kannte.
Brianni fragte bei einigen Schiffern nach einer Überfahrt. Die meisten starrten sie an, als wäre sie verrückt geworden, als sie auf die Frage nach dem Ziel nur "Egal." antwortete.
Ein alter Seemann nickte nur: "Fünfzehn Silbermünzen, dann bring ich Euch überallhin."
Sein Kahn war alt, aber gut in Schuss. Die Mannschaft sah erfahren aus.
Er zeigte ihr die Kabine die zu den Deckaufbauten gehörte und sagte "Wenn Ihr reihern müsst, dann draussen über die Reling. Wenn Ihr Euch nützlich machen wollt, helft dem Smutje in der Kombüse."
Zur Mittagsstunde legten sie ab, ohne festes Ziel einfach Richtung Westen.

Brianni quälte die Seekrankheit, kaum dass sie ein paar Meilen weit auf dem offenen Meer waren. Es gab kaum Fixpunkte, an denen sie ihren Blick festmachen konnte, dazu das ungewohnte Schwanken des Untergrundes. Sie, das Bauernkind, auf dem Meer. Wenn ihr nicht so übel gewesen wäre, sie hätte darüber gelacht.
Der Schiffskoch verabreichte ihr ein Stück Wurzel, das höllisch auf der Zunge brannte, aber die Übelkeit niederkämpfte. "'m Mund lasch'n. Tschum 'orisont gugg'n." nuschelte er durch seine wenigen verbliebenen Zähne. Brianni kaute auf dem Würzelchen herum, schluckte den Saft hinunter und bemerkte nach und nach eine Besserung, während sie an der Reling stand und auf den Strich zwischen Meer und Himmel starrte.

Nachts zog ein heftiger Sturm auf, der das Boot auf den Wellen wie ein Spielzeug hin und her warf. Das Wurzelstück half nichts mehr und Brianni klammerte sich wieder an der Reling fest, damit sie nicht auch noch von Bord gefegt würde. Ein Matrose band sie mit einem Stück Seil fest, als die Wellenberge immer höher wurden. Plötzlich brach mit einem lauten Splittern der Mast. Die Trümmer verfehlten sie knapp, durchschlugen aber die Reling links und rechts. Brianni wurde von dem nachfolgenden Brecher über Bord gespült, immer noch an ein Stück Reling gebunden, was ihr vermutlich das Leben rettete.
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2 Jahre 6 Monate her - 2 Jahre 6 Monate her #1202 von Brianni Carpenter
Brianni Carpenter antwortete auf das Thema: Was übrig bleibt...
Als Brianni wieder erwacht, friert sie erbärmlich. Sie liegt im Sand an einem kleinen Strand. Die Kleidung ist nass und zerfetzt. Brianni rappelt sich auf und schaut sich um. Immerhin, es ist gerade Mittag und die Sonne wird noch ein paar Stunden scheinen, so dass die Sachen vor Einbruch der Nacht halbwegs trocken sein werden. Allerdings kommt ihr diese Gegend völlig unbekannt vor. Hügelig, und in der Ferne kann Brianni zwei Berge ausmachen. In der Nähe sieht sie ein paar Holzgebäude, die aber verlassen scheinen. Sie entschließt, dort Unterschlupf für die Nacht zu suchen und auf dem Weg dorthin kann sie ein paar Nüsse und Äpfel sammeln, um wenigstens den gröbsten Hunger zu stillen.
Als sie an den Gebäuden ankommt, sieht Brianni, dass es überwiegend Stallungen und Lagerhäuser sind. Die meisten davon fest verschlossen. In einen alten Schafstall liegt noch ein Haufen muffiges Stroh, das sie sich als Schlafstatt zurecht macht. Sie macht sich ein kleines Feuer vor dem Stall, um sich noch weiter warmzuhalten, bis es Zeit wird, schlafen zu gehen.

Am nächsten Morgen wird Brianni von Hufgetrappel geweckt, die Sonne ist schon etwas über dem Horizont aufgestiegen. Leise steht sie auf und späht durch die Fester des Stalls. Ein junger, kräftiger Mann reitet langsam zwischen den Gebäuden hindurch. Seine Kleidung ist einfach und er sieht aus, als würde er etwas suchen. Brianni weiss nicht, ob sie sich verstecken oder doch dem Mann entgegen treten und um Hilfe bitten soll. Dieser scheint die Überreste ihres Feuerchens bemerkt zu haben. Er steigt von seinem Reittier ab und macht es an einem Pfosten in der Nähe fest. Dann nähert er sich langsam dem Stall. Er hält die Hand über die Asche, fühlt sicher noch die Restwärme.

Brianni denkt: " Jetzt oder nie, er sieht nicht sehr gefährlich aus!" Sie tritt aus dem Unterschlupf und baut sich vor dem Eingang auf. "Kann ich euch helfen?" "Äh, hallo, ähm, gehört ihr zum Marktpersonal?" stammelt der junge Mann überrascht. "Obwohl, ihr seht eigentlich nicht so aus, die Bediensteten der Königin haben eigentlich immer ordentliche Kleidung, und nicht so Fetzen am Leib wie ihr." redet er frech weiter. Brianni ist mißmutig über solche Worte, aber sieht auch, dass er Recht hat mit seiner Feststellung. "Nein, ich gehöre nicht zum Markt, ich habe hier nur übernachtet. Scheint, als wäre das Schiff, das ich für eine Überfahrt bezahlte, gesunken." gibt sie schnippisch zurück. "Vielleicht könnt ihr mir sagen, wo ich hier gestrandet bin?" "Oh, ähm, Vengard, ihr seid auf Vengard. Ein paar Inseln und Flüsse, mit Brücken. Und einer Königin, im Süden. Ich bin auch noch nicht lange hier. Deshalb kann ich euch nicht allzuviel erzählen." Der Mann scheint sich etwas zu entspannen, als er merkt dass von Brianni keine Gefahr ausgeht. "Was wollt ihr jetzt machen? Hier auf dem Markt könnt ihr nicht bleiben." fragt er. Brianni überlegt. "Naja, ich muss essen und schlafen, habe aber weder eine richtige Unterkunft noch Werkzeug. Also werde ich mir Arbeit suchen müssen. Falls ihr zufällig jemanden kennt, der eine Landwirtin sucht, könnte ich zumindest mal vorstellig werden." "Nun, ich bin bei ein paar Leuten untergekommen, die gerade ihre Ackerfläche vergrößern, vielleicht fragt ihr mal nach, ob auch eine weitere Arbeitskraft willkommen ist. Mein Name ist übrigens Mathrim." Er reicht ihr die Hand. Brianni ergreift die Hand, hält sie fest. "Brianni Carpenter. Nett euch kennenzulernen. Dann zeigt mir bitte den Weg."
Letzte Änderung: 2 Jahre 6 Monate her von Brianni Carpenter.
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