Tochter der Nanna

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2 Jahre 11 Monate her - 2 Jahre 9 Monate her #491 von Torvi
Torvi erstellte das Thema Tochter der Nanna
Torvi Nannasdottir

Weit im Norden, als der laue Sommer den letzten Schnee aus den Bergen verbannt hat und der Nebel durch die Täler zog, hallte ein Schrei durch das Dorf am Fjord, als die Götter einem kleinen Kind Leben einhauchten.
Doch auch wenn die Tage bislang lau und angenehm waren, so fielen an jenem Morgen weiße Flocken vom Himmel, als würde Skadi selbst dieses Kind willkommen heißen. Die frischgebackenen Eltern waren überglücklich als sie ihre kleine Tochter, ein kleines Bündel mit rotem Haar und blauen Augen, im Arm hielten und ihr den Namen Torvi gaben.

Als Tochter des Jarls wuchs sie behütet und ohne Sorgen auf, ehrte die Götter und glaubte fest an das Schicksal. Sie liebte die Pferde und stahl sich gern Nachts aus dem Haus, um dort im Stroh neben ihren geliebten Pferden einzuschlafen.
Bis sie schließlich in ein heiratsfähiges Alter kam und ihr Vater schweren Herzens die Entscheidung fällen musste, seine geliebte Tochter in die Hände eines anderen Mannes zu geben. Torvi hatte ihren zukünftigen noch nie gesehen aber sie vertraute ihrem Vater, dass er jemanden aussuchen würde, der sie gut behandelte und den Zorn ihres Vaters fürchten würde, sollte dieser ihr etwas antun. Auch wenn der Jarl sich dahingegend kaum Sorgen machte, denn seine temperamentvolle Tochter musste er oft ermahnen sich nicht mit den Dorfburschen zu prügeln, da sich sowas nicht für eine Jarlstochter ziemte. Aber um ehrlich zu sein, war er innerlich stolz, eine so starke Tochter zu haben, denn er wusste natürlich, dass sie sich nur verteidigte oder einschritt, wenn Torvi etwas für ungerecht hielt. Sie würde eines Tages eine gute Jarlsfrau werden, wie ihre Mutter.

Am Tag der Hochzeit sahen sie sich zum ersten Mal und Torvi strahlte vor Glück, als sie Baldûr, Sohn des Jarls eines fernen Dorfes erspähte. Doch auch seinen Bruder Heldûr hatte sie erhascht und so tuschelte sie hochroten Kopfes mit ihrer Mutter, welcher der beiden nun ihr Gemahl werden würde. Glücklich, ihre Tochter so zufrieden zu sehen, wurde sie für das Ritual geschmückt und bald war offenbar, welchem der beiden sie zur Frau gegeben wurde.

Dem jüngeren Sohn des Jarls, Baldûr.

Wie es in ihrem Gebiet brauch war, sollte der Bräutigam zuvor seinen Mut und seine Kraft vor seiner zukünftigen Frau, ihren Eltern und dem Dorf beweisen und so rief er in die Menge, welcher Recke es wagen würde, ihm seine Zukünftige streitig zu machen. Denn so wart gesichert, dass er als neuer Jarl beide Dörfer mit starker Hand zu führen wusste. Für gewöhnlich blieb die Menge in diesem rituellen Moment still, sahen sich doch tuschelnd um, scherzten ob er oder Torvi das Dorf führen würde. Als sich Baldûr sicher war, dass keiner seine Stimme erhob um ihnherauszufordern, trat unerwartet ein Krieger mit gezogener Waffe aus der Menge und richtete diese auf den Mann, den Torvi zu heiraten gedachte.
Der Mann spuckte auf den Boden und forderte seinen Bruder zum Kampf, der seiner Meinung nach nicht das Recht hatte, vor ihm die Ehre einer Eheschließung und Pakt zwischen zwei Gebieten zu schließen. Beschwichtigend hob Baldûr die Hände und beschwor seinen älteren Bruder, das Wort ihres Vaters vor den Göttern zu ehren und zu akzeptieren. Doch der Ältere wollte nicht hören und erinnerte an den Ritus der Vermählung, dass JEDER das Recht habe den Bräutigam herauszufordern.
An den Brauch gebunden blieb dem jungen Mann nichts anderes übrig, als sich seinem älteren Bruder zu stellen. Lange Jahre der Zwietracht schienen nun ihren Höhepunkt zu finden und außerhalb der großen Jarlshalle wurde der Kampf vor aller Augen der Gäste, der Jarlspaare und vor Torvi ausgetragen, die sich nicht vorstellen konnte, wie ihr Zukünftiger diesen Kampf überleben sollte.

Ein Blick zu ihrer Mutter sagte ihr alles was sie wissen musste und als die Waffe den tödlichen Streich ausführte, hastete sie zum anderen Ende der Siedlung, Richtung Fjord und flüchtete mit einem kleinen Boot, dass sie in ein neues Leben bringen würde. Denn nie würde sie einen Mann heiraten, der mit solch Blutdurst und Vergnügen den eigenen Bruder tötete.

So gab sie sich selbst fortan den Namen "Nannasdottir", als Tochter der Göttin Nanna , die schon vor ihr den Tod ihres Liebsten mitansehen musste, der von einem Rivalen, dem eigenen Bruder, getötet wurde.
So strandete sie eines Tages an der Küste der Flusslande, wo sie bald ein neues Zuhause in Nordwacht finden würde…
Letzte Änderung: 2 Jahre 9 Monate her von Torvi.

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2 Jahre 10 Monate her - 2 Jahre 9 Monate her #627 von Torvi
Torvi antwortete auf das Thema: Tochter der Nanna
Sonnenaufgang

Lange hatte sie auf diesen Augenblick gewartet, als die Sonne langsam über dem Horizont aufging und die ersten Strahlen das Meer und den Schnee in ein mystisches Licht tauchte und es zum Glitzern brachten. Fröstelnd zog die junge Nord ihren Mantel enger um sich, sog schwer atmend die kalte Luft ein und genoss den leicht salzigen Geschmack auf der Zunge. Mit bedächtigen Schritten ging sie zum Strand, ihre Füße hinterließen tiefe Spuren im Schnee und blieb nach wenigen Schritten schließlich auf dem nassen Sand stehen, der immer in sanften Wogen vom kalten klaren Wasser der See bedeckt wurde.
Sie schaute hinab, sah wie das Wasser ihre Stiefel umspielte, an ihr vorbeiglitt und alles um sie herum bedeckte, bis es sich schließlich sanft wiegend wieder zurückzog und sich dieser Kreislauf wiederholte. Unbewusst passte die junge Frau ihren Atem den Wogen an und spürte wie sie innerlich zur Ruhe kam. Ihr Blick wanderte zurück zu dem Haus, dass leer und verlassen auf dem Hügel stand und in dem sie, seit langer Zeit das erste Mal völlig allein, zurückgezogen die Nacht verbracht hatte.

Einen anderen Ort kannte sie nicht um zur Ruhe zu kommen und es würde ihn sicherlich nicht stören, vielleicht sogar freuen, wenn er wüsste, welchen Ort der Ruhe sie sich für die Nacht auserkoren hatte. Schweren Herzens wendete Torvi ihr Gesicht wieder zur Sonne und genoss ihre kaum spürbare Wärme auf ihrem Gesicht, während sie einfach nur dastand und versuchte dieses Licht in sich aufzunehmen und die Dunkelheit zu vertreiben, die sich wie ein Schleier auf ihr Gemüt gelegt hatte.
Bei dem Gedanken daran kroch erneut die Kälte in ihren Körper, ließ sie frösteln und nahm von ihr Besitz, als würden die kalten, fahlen, knorrigen Krallen des Schicksals sie umschließen. Torvi krallte ihre Hände in den Mantel, zog ihn enger um sich und spürte wie ihr Herz schneller zu schlagen begann.

„Schicksal“,

murmelte sie und beobachte beinahe fasziniert, wie das Wort als zarter Schleier vor ihrem Gesicht gen Himmel getragen wurde. Müsste sie die vergangenen Stunden…Tage…Monde mit einem Wort beschreiben, so wäre es dieses eine, schwere Wort, welches nun ihren Geist füllte und es ihr unmöglich machte, sich dem kalten Schauer zu entziehen. Wie ein Echo verhallte es in ihren Gedanken und wurde lauter, da sie wieder an die Dinge dachte, die sich im Norden und Süden ereignet hatten.
Ihr Herzschlag beschleunigte sich, als die Wut wieder in ihr brodelte, die sie dabei empfand und für einen kurzen Moment fühlte sie, wie es sie heiß erfüllte, während sie daran dachte, was Crussol ihren Gefährten,…Freunden,…ihrer neuen Familie und ihr selbst angetan hatte und was dies nun für den Norden bedeutete. Ihre Hände ballten sich zu Fäusten und sie spürte den bittersüßen Schmerz, als sich ihre Fingernägel in ihre Handinnenflächen gruben.

„Schicksal“,

flüsterte sie erneut und das Wort wurde wieder vom Wind hinfort getragen. Schicksal würde es auch sein, welches Adam seinen Kopf kosten und Steinar um seinen Titel bringen würde, dachte sie und die Wut verstärkte sich bei dem Gedanken an ihren Großjarl. Nach dem Dorfthing, bei dem Bran ihr ruhig erklärt hatte, warum der Großjarl so gehandelt hatte, ebbte ihre Wut etwas ab. Doch auch der Jarl von Nordwacht hatte Bedenken geäußert, ob die Handlungsweise Steinars wirklich die Richtige war.
„Egal wie du entscheidest, wir folgen dir“, hatte ein jeder gesagt, wie auch Torvi selbst, denn im Grunde ihres Herzen vertraute sie Bran. Er war ein guter Jarl und die Menschen in und außerhalb von Nordwacht mochten ihn, vertrauten ihm,…folgten ihm.

„Schicksal“,

wiederholte Torvi die Worte erneut, zum dritten Mal und ein Schauer ging durch ihren Körper. Ihr Blick wanderte zu ihrer Stute, der sie den Namen „Norna“ gegeben hatte, nach den Schicksalsfrauen, auch Nornen gennant. Um ehrlich zu sein, hatte jemand anderes diesen Namen ausgesucht, aber sie fand ihn passend und so würde der Namensgeber stets ein Teil von ihr sein. Als hätte sie Torvis Gedanken gehört, schaute das schneeweiße Tier auf, schnaubte und wendete seine Aufmerksamkeit erst gen Norden und schreckte wegen einem Geräusch südlich der Hütte auf.
Ein Fuchs schlich aus dem Gebüsch und suchte im Schnee nach Nahrung und mit einem Lächeln beobachtet die junge Frau fasziniert den hartnäckigen Jäger, welcher der rauen Jahreszeit zum Trotz zuversichtlich durch den Schnee wanderte, kurz aufschaute und beim Anblick von Norna die Richtung wechselte, gen Süden. Während sich das Pferd wieder entspannt dem Stroh widmete, welches Torvi hierhin mitgenommen hatte, beobachte die junge Nord noch eine Weile den Fuchs in der Ferne und spürte den Wind im Rücken, der vom Meer her zum Ufer wehte. Fast so, als würde er sie in eine Richtung führen, sie auffordern zu gehen. Sie drehte sich wieder zur Sonne, denn ihr Herz wurde ihr erneut wieder schwer.

„Süden“

Von dort war sie hierher geritten, um aufgrund vergangener Ereignisse ihre Gedanken und ihr Herz zu beruhigen. Zuvor hatte sie ihre Suche im Norden begonnen, welche sie in den Süden geführt hatte und sie dank eines Hinweises zum ersten Mal hierher gekommen war. Ihre Suche fand hier ihr Ende und das Schicksal hatte sie nun erneut hierher an diesen Ort gebracht. Da war es wieder,

„Schicksal“,

dachte Torvi. Kaum ein anderer Ort war davon so sehr behaftet wie dieser hier, während sie über seine Bedeutung nachdachte und über die Tatsache, dass sie es dreimal ausgesprochen hatte. Ihr Mutter hatte ihr einmal gesagt "Kind, wenn du einen Wunsch dreimal wiederholst, wird er wahr. Aber pass auf, wenn du etwas drei mal sprichst, dann hören dich die Götter."
War es richtig hierhergekommen zu sein? Schon seit gestern stellte sie sich diese Frage, denn bisher hatte Torvi noch keinen Ort für sich gefunden, um mit ihren Gedanken und den Göttern allein zu sein. Und so hatte es sie erneut hierher geführt.
Bei dem Gedanken lächelte sie, denn sie hatte ihrem Pferd offenbar den richtigen Namen gegeben. Den Großteil der Strecke hatte sie Norna den Weg wählen lassen, um sich vom Schicksal treiben zu lassen und als sie schließlich kurz vor Einbruch der Nacht hier angekommen war, hatte sie ihr Gesicht in der Mähne des Pferdes vergraben. Ob sie vor Glück oder Trauer geweint hatte, wusste Torvi nicht mehr. Wann hatte sie das letzte Mal geweint? Lange musste Torvi überlegen bis es ihr wieder einfiel, so sehr hatte sie ihre Vergangenheit tief in ihrem Herzen verschlossen und sich für Neues geöffnet.
Ihre Gedanken sprangen hin und her, verwirrten sie und führten sie mal in die eine und mal in die andere Richtung. Sollte sie sich dem ganzen einfach entziehen, nach Nordwacht zurückkehren und auf Bran vertrauen, dass er Entscheidungen für sie traf? Damit sie nicht mehr Gefahr lief, wegen unbedachter Worte noch mehr Unheil anzurichten, wie es beinahe beim Thing geschehen wäre?

Bran…sein leicht gerötetes Gesicht tauchte in ihren Gedanken auf. „Nordwacht kann sich glücklich schätzen, dich zu haben.(…) Ich bin froh, dass du ein Teil von Nordwacht bist“, hatte er zu Torvi gesagt und ihr dann mit gerötetem Gesicht etwas in die Hand gelegt, ein Geschenk, dass sie seitdem um den Hals trug. Sie fühlte den kalten Schmuck auf ihrer Haut und fragte sich erneut, womit sie das verdient hatte, oder wie er es gemeint haben könnte. Sie hatte ihn nicht mehr fragen können, denn kurz darauf war er verschwunden, sich wichtiger Arbeit widmend. Und dann,…dann war er wirklich verschwunden, als Reiter aus Crussol ihn und Trystan gefangen genommen und Thorwald schwer verletzt hatten. Rignarson, Jarl von Druidenwald, war extra zu ihr geritten, um ihr die Nachricht zu überbringen. Er hatte sie aufgefangen, als die Sorge um Bran, Trystan und Thorwald sie in die Knie gezwungen hatte und sie vor Sorge zusammengebrochen war. Nie hätte Torvi gedacht, dass so eine Nachricht ihr so nahe gehen würde und war Rignarson unendlich dankbar, dass er in diesem Moment für sie da gewesen war und sie nach Druidenwald eingeladen hatte, wo erst einzelne Nord die Situation besprochen hatten und dann das Thing später bei Steinar seinen Lauf nahm.

Bran…Trystan…Thorwald…

Ihr Herz schlug schneller bei diesen drei Namen und Torvi wusste nicht einmal genau warum. Jeder einzelne war ihr wichtig, wie jeder andere in Nordwacht auch und alle waren ihr in den vergangenen Monden ans Herz gewachsen, sind zu ihrer neuen Familie geworden und sie fühlte sich wohl, war glücklich. Nach so langer Zeit war Torvi endlich wieder glücklich. Sie hatte damals nach ihrer Flucht gedacht, dass sie dies nie wieder sein könnte. Doch die Bewohner von Nordwacht hatten ihr Herz erwärmt und nie hätte sie es für möglich gehalten, dass die Nachricht von der Verhaftung Brans und Trystans und möglicher Tod Thorwalds sie so tief im Herzen treffen würde. Sie hatte geweint, gehofft, gebangt, geflucht und getobt. Sie hatte sogar in ihrer Verzweiflung Steinar, ihren Großjarl, beim Thing beleidigt und seine Würde angezweifelt. Auch wenn es ihre Meinung nicht änderte, konnte sie nur beten, dass es nicht ihren Kopf kosten würde. Ihr stand es einfach nicht zu, öffentlich den Großjarl in Frage zu stellen, auch nicht als Jarltochter. Aber davon wusste ohnehin niemand und sie hatte beschlossen, in den Flusslanden ein neues Leben zu leben. Ohne Vergangenheit, ohne Bürde. Hatte sie die Götter mit ihrem Handeln erzürnt? War sie am Ende selbst Schuld an ihrer Lage, so wie sie jetzt war?
Sie atmete die kühle salzige Luft des Meeres und versuchte ihr Herz zu beruhigen. Sie hörte ein sanftes Schnauben hinter sich, wie als eine Art Trost.
Bran…Jarl von Nordwacht. Ihm hatte sie die Treue geschworen, sie folgte stets und gern seinen Befehlen und freute sich, wenn er mit ihr zufrieden war. Er hatte ihr diese neue Familie gegeben, hatte sie aufgenommen und war selbst in dieser schweren Situation in der Lage, stets persönliche und politische Belange abzuwägen. Er wäre ein guter Großjarl, dachte Torvi. Er betrachtete Christ wie Nord als Freunde, gab ihnen ein Heim, in dem beide friedlich leben konnten und er würde sicherlich den Frieden zwischen Norden und Süden herbeiführen können.

"Wächter des Nordens, Wächter des Friedens"

flüsterte sie. Der Norden war wie ein verstreutes Rudel, welches dringend einen Rudelführer, einen richtigen Alpha brauchte.
„Was immer du entscheidest, ich folge dir“, waren Torvis Worte gewesen und daran würde sich auch nichts ändern. Gedankenverloren berührte sie erneut den Schmuck auf ihrer Haut, den er ihr geschenkt hatte und war immer noch unsicher, wie sie mit dem Geschenk ihres Jarls umgehen sollte. Oder was ihr Jarl und Freund ihr gegenüber damit ausdrücken wollte.

Trystan…viel wusste sie nicht über ihn, außer dass er christlichen Glaubens war und gemeinsam und friedlich mit allen in Nordwacht lebte und sich tatkräftig einbrachte, immer ein Grinsen im Gesicht und ein verliebter Narr war. Wem er sein Herz geschenkt hatte wusste sie nicht, aber es war ihm stets anzumerken. Zum Schluss stieg seine Laune so gen Boden, dass sie sich ziemlich sicher war, dass eine Frau der Grund gewesen sein musste. Taluna und Torvi, die einzigen Frauen in Nordwacht, gaben sich jedenfalls viel Mühe, ihn davon abzulenken und ihm sein Lächeln wieder zu geben. Trystan war einfach nicht Trystan, wenn er nicht lachte.
Er war treu, auch wenn Bran an die Götter glaubte, so zollte Trystan ihm seinen Respekt, verlor nie ein schlechtes Wort über ihn oder den nordischen Glauben oder dem nordischen Volk. Wieso konnten die anderen Christen nicht so sein wie er? Oder wie Hans, mit dem sie kürzlich eine interessante Diskussion geführt hatte ohne dass Waffen gezogen wurden. Naja, zumindest bis Adam auftauchte...
Seit einigen Tagene hatte sie ein besseres Bild von Trystan und ist ihm für sein Handeln ihr gegenüber mehr als dankbar. Er hatte Torvi geholfen, ihren Freund, Gefährten und Bruder zu finden und hatte bis zum Schluss die Suche nicht aufgegeben. Was die beiden miteinander verband, wusste sie nicht, aber seine Loyalität hatte sie beeindruckt, welches mit großen Vertrauen von Thorwald belohnt wurde. Und das würde Torvi fortan auch, ihm vertrauen, denn er war in einem schweren Moment an ihrer Seite gewesen, hatte sie unterstützt und aufgefangen und dafür war sie ihm unendlich dankbar. Es war schön zu wissen, dass er Teil von Nordwacht war und Bran konnte sich glücklich schätzen, eine solche Person in seinem Gefolge zu haben. Trystan besaß Mut, denn zu dieser Zeit treu zu Thorwald zu stehen bedeutete für viele ein großes Risiko. Und dennoch ehrte er jeden mit dem gleichen Respekt und verurteilte niemanden wegen seines Glaubens. Welche Frau auch immer ihn verprellt hatte, vielleicht konnte er sie ja noch umstimmen oder sie wusste es einfach nicht zu schätzen. Bran und Thorwald taten es jedenfalls, zumindest war sie davon überzeugt. Ebenso wie Torvi ihn zu schätzen wusste.

Thorwald…ihr Herz schlug schneller beim Gedanken an ihn, spürte die Wärme in ihrem Gesicht und erschreckte sich beinahe zu Tode, als plötzlich etwas ihre Schulter berührte. Reflexartig glitt ihre Hand zu dem Dolch an ihrer Hüfte, den Thorwald ihr geschenkt hatte und einst seiner Schwester gehörte. Sein letztes Andenken an seine Familie und er hatte es in ihre Obhut gegeben. "Pass damit auf dich auf, Kleine" hatte er dabei grinsend gesagt, aber es war ihm auch nicht leichtgefallen, ihr den Dolch zu geben. Das hatte sie gemerkt, wollte ihm sogar den Dolch zurück geben aber er lehnte es lächelnd ab, nahm ihn nicht zurück und so trug sie den Dolch fortan stets bei sich. Torvi entspannte sich und ein Lächeln schlich über ihr Gesicht, denn Norna war zu ihr herübergekommen und forderte ihre tägliche Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten ein. Zärtlich berührte sie die Mähne des Tieres und streichelte es liebevoll, auch wenn sie wusste, dass die Stute gerade einfach nur ihre Nähe suchte und natürlich auch nach den Möhren, die sie in ihrem Gewand versteckt hatte. Aber dennoch, warum kam sie ausgerechnet jetzt? Torvi schmunzelte über die Eigenart ihrer Stute, die sie ohne Thorwald niemals besitzen würde, der ihren Namen ausgesucht hatte und diese wiederum ihrem Namen alle Ehre machte.

„Schicksal“,

hallte es wieder in ihrem Kopf. Torvi seufzte, gab dem Tier das, was es wollte und hielt dem Pferd eine der Möhren hin nach der die Stute so hartnäckig gesucht hatte. Einem inneren Gefühl folgend stieg Torvi in den Sattel und bedeutet Norna mit einem leichten Druck ihrer Oberschenkel, sich zu bewegen.
„Mal sehen wohin das Schicksal mich führt“, dachte sie, schaute ein letztes Mal zu dem kleinen Holzhaus auf dem Hügel und begrüßte die Sonne, die über den Horizont aufging und genoss noch einmal mit geschlossenen Augen ihre Strahlen. Als sie die Augen wieder öffnete richtete sie den Blick nach vorn und ritt los…

“Nanna, geliebte Mutter, führe mich“
Letzte Änderung: 2 Jahre 9 Monate her von Torvi.

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2 Jahre 10 Monate her - 2 Jahre 9 Monate her #670 von Torvi
Torvi antwortete auf das Thema: Tochter der Nanna
Skadis Flüstern

Blaue Augen beobachteten die weißen Flocken, die sanft und tanzend vom Himmel herabfielen und alles mit einem glitzernden weißen Teppich bedeckten. Skadi hatte Nordwacht in eine wunderschöne Winterlandschaft verwandelt und die junge Frau freute sich wie in Kindertagen, obwohl es für alle die härteste Zeit des Zyklus war. Die Vorräte wurden knapp, die Feuer sorgten zwar für Licht, wenn sich die Sonne viel zu früh schlafen legte, aber ihre Wärme bestand nur auf wenige Schritte. Stand man außerhalb davon, spürte man erneut Skadis kalte Umarmung, die einen frösteln ließ.

Lächelnd sah sie den Krieger aus Schnee, der stumme Wacht auf den Feldern hielt und gar in dem ein oder anderen tierischen Besucher die Neugier weckte. Zuletzt hatte sie eine Hirschkuh den Mann aus Schnee neugierig beschnuppern sehen, bevor sich diese irgendwann gelangweilt in den Wald zurückzog. Vermutlich zu ihrer Herde, dachte Torvi, auch wenn ihr dabei das Herz etwas schwer wurde.
Sie hatte ihre eigene Herde zu versorgen, aber dies war zurzeit mehr als schwer. Uffe versorgte sie so gut es ging, aber auch er konnte nur mit dem kochen, was von den Vorräten noch übrig war. Hätte sie die Hirschkuh erlegen sollen? Torvi schüttelte den Kopf. Bis sie Bogen und Pfeile geholt hätte, wäre das scheue Tier längst verschwunden. Außerdem hätte sie es nicht übers Herz gebracht, das Tier zu töten, welches sie aus irgendwelchen Gründen an sie selbst erinnerte. Auch wenn ihr die Jagd vertraut und sie das Töten der Tiere nicht belastete, etwas in ihr flüsterte dennoch, dass es falsch gewesen wäre.
Torvi sah das Tier am Waldrand stehen, wie es den Kopf aufmerksam in jede Richtung drehte und entdeckte dann plötzlich einen kleinen Schatten, der sich aus dem Gebüsch drängte. Ein Kitz.
Erstaunt beobachtete sie Mutter und Kind, wie sie friedlich dort standen und lächelte glücklich. Skadi hatte ihr ein Zeichen gesand und war froh, dass sie es gespürt und das Tier nicht getötet hatte. Ihr Magen knurrte, aber die Anwesenheit der Göttin überlagerte jedes körperliche Gefühl und so beschloss sie, Skadi im Frühjahr zum Dank ein Opfer darzubringen. Torvi blieb noch einige Zeit lang dort stehen, beobachtete die kleine Familie und strich sich dabei selbst verträumt über ihren Bauch. Würde sie auch irgendwann selbst eine Familie gründen?
Kopfschüttelnd schob sie diesen Gedanken beiseite und als sie wieder aufsah, waren die Tiere verschwunden, ebenso wie die Gedanken, die sie zuvor noch hatte. So schritt sie zum Schneemann, richtete den Helm, den die Hirschkuh durch ihre Neugier verschoben hatte und ging zu ihrem Haus, wo Norna schon auf sie wartete. Sanft strich sie ihrer Stute über den Hals, klopfte den Schnee von ihrer Decke und gab ihr die letzte Möhre, die Torvi im Lagerhaus gefunden hatte. Das Pferd schnaubte, frass zufrieden das trockene Gemüse und schnupperte an der jungen Frau, zog dann aber enttäuscht den Kopf zurück, da diese offenbar nichts mehr bei sich trug. „Tut mir leid meine Schöne, das war die Letzte. Du musst dich leider bis zum Frühjahr gedulden müssen.“ , sagte sie beruhigend zu ihrer treuen Gefährtin und streichelte sie nochmal sanft, bevor sie zurück in ihr kleines Haus ging um sich aufzuwärmen.
Ihr Haus. Wehmütig strich sie über die spärlichen Möbel, die an den Wänden standen und entzündete ein kleines Feuer in der Schale, die neben dem Bett Licht und Wärme spendete und legte sich auf die weiche Decke, die sie vor einigen Tagen mit frischen Feder befüllt hatte, nachdem sie für eine kleine Feier nach dem Thing, das Federvieh geschlachtet hatten.
Gedankenverloren sah sie zur Decke, schloss schließlich die Augen und roch das Holz der Hütte und Möbel, sowie einen sanften, kaum vernehmbaren Duft, der Person die zuvor hier gelebt hatte und spürte wie sie zur Ruhe kam und lächelte. Es kümmerte sie nicht, dass es nicht wirklich ihr Haus war, hatte sie bei dessen Bau heimlich darauf gehofft, es eines Tages ihr Eigen nennen zu können. Ihr Lächeln erstarb. „nur nicht so“, dachte sie, denn lieber wäre es ihr gewesen, würde er noch hier in diesem Haus, in ihrem Dorf wohnen. Würde er sie immernoch heimlich bei den Kräutergärten beobachten, wie er es immer gern tat und geglaubt hatte, dass sie es nicht bemerkte.
Torvi vermisste ihn. Sie wusste zwar, wo er nun lebte, aber es war nicht das Gleiche. Doch um ehrlich zu sein, war sie einfach nur froh, dass er überhaupt noch lebte. Sie erinnerte sich, wie Elin, eine junge Frau aus Druidenwald, eines Tages völlig verstört vor ihrem Haus stand, etwas von einem Verletzten sprach und sie als Kräuterkundige und Heilerin mit sich genommen hatte. Erst auf dem Ritt in die große Siedlung jenseits des Flusses, erzählte die Fremde, dass es um Thorwald ging, den sie schwer verletzt nach Druidenwald gebracht hatte.
Erneut sah sie die Bilder vor ihrem inneren Auge, welche sie seit Tagen verfolgten und schauderte. Blut, soviel Blut…Was hatten die Franken ihm nur angetan? Womit hatte er das nur verdient?
Torvi war dankbar, dass Elin sie gerufen hatte und auch um ihre Hilfe bei der Versorgung seiner Wunden. Doch irgendwann zog sie sich zurück, ließ Torvi mit dem Verletzten alleine und die junge Kräuterfrau fragte sich, ob es womöglich etwas mit der Umsiedlung zu tun hatte, die bald bevorstand. Der wahre Grund sollte sich ihr allerdings erst später offenbaren, da es wohl auch um verletzte Gefühle ging. Es hatte sich mittlerweile im ganzen Norden herrumgesprochen, dass der Jarl von Druidenwald aufgrund der Zwischenfälle mit den Franken beschlossen hatte, ihr Dorf aufzugeben um irgendwo ein neues Heim aufzubauen.
Wut keimte in ihr auf, als sie erneut an Vergangenes dachte und was der Mann, der nun verletzt auf dem Bett lag, alles hatte ertragen und erdulden müssen. Kriegstreiber nannten sie ihn, hatten ihn quer durch die Flusslande gejagt und dank der List von Steinar und Bran, hatten die Franken ihn nicht gefunden, stattdessen aber Siedlungen bedroht und seine Auslieferung gefordert. Es war nur eine Frage der Zeit, dass sie ihn irgendwann fanden und trotz seiner Taufe hatten sie ihn so zugerichtet.

Christen…wie Gift lag dieses Wort auf ihrer Zunge und füllte ihre Gedanken.
Er hatte sich für seine Liebe und zu seinem eigenen Schutz taufen lassen, hatte vor Torvis Augen seinen Göttern abgeschworen, auch wenn er ihr kurz zuvor versichert hatte, dass er ihnen im Herzen treu bleiben würde. Ohne diese Worte hätte sie diese Tortur, Taufe wie die Christen sie nannten, nicht überstanden. Auch ohne Trystan nicht, der bei ihr saß und ihr Halt gegeben hatte. Lächelnd und geduldig hatte er ihr durch dieses eigenartige Ritual geholfen und ihr zugeflüstert, was sie sagen oder tun sollte. Natürlich sprach sie nur halbherzig mit, aber sie wollte für ihren alten Freund da sein und mit eigenen Augen sehen, wie weit er bereit war für seine Liebe zu gehen, die ebenfalls anwesend war.
Liebe…diese Christen predigten davon, aber wussten sie diese auch zu schätzen? Die Königin tat es jedenfalls nicht und wie ein helles Feuer erfüllte es Torvi mit einer strahlenden Hitze, bei dem Gedanken an diese Frau. Wütend stand sie auf, ging aus dem Haus und überging das empörte Schnauben der Stute, als sie sich auf ihren Rücken setzte und mit ihr quer durch den Norden ritt, um ihre Wut in den Wind hinaus zu schreien.

Erstaunt blickte Torvi auf, als Norna irgendwann stoppte und ihr gewahr wurde, wo sie sich befand. Während der letzten Stunden hatte sich Torvi mit dem Oberkörper nach vorne an das Tier geschmiegt, die Augen geschlossen und ihre geliebte Stute den Weg wählen lassen, wie sie es gerne tat. Sie wollte ihr nicht ständig vorgeben, wohin sie zu reiten hatte. Sie war ihre engste Vertraute und so wollte sie die Stute auch behandeln und ließ sie gewähren, während sie sich beruhigte und ihre Wut abkühlte. Norna hatte vor dem Ring aus Bänken am Thingplatz beschlossen zu halten und schüttelte ungeduldig den Kopf. Fast so als würde sie sagen „schau wo wir sind, wo ich dich hingebracht habe“. Dankend klopfte sie dem Tier auf den Hals, sprang von ihrem Rücken und küsste das Tier auf die Stirn. Sie liebte dieses Pferd!
Im Gegensatz zu den Christen, die ihre Pferde wie Vieh behandelten, musste Norna nirgends festgebunden werden. Frau und Tier waren miteinander verbunden und selbst wenn ein Wolf sie aufschrecken und sie flüchten würde, Norna wusste genau, wo ihr Zuhause war und fand stets den Weg zurück.
Stumm stand die junge Frau vor dem Ring aus Bänken und den zwei großen Stühlen, auf denen einige Tage zuvor noch ihr Großjarl und Bran, Jarl von Nordwacht und nun Earl von Middenheim, gemeinsam mit allen anderen die Zukunft des Nordens besprochen hatten. Hier hatte Torvi vor allen gesprochen, von den Wunden berichtet, welche die Franken an ihrem Freund und Vertrauten geschlagen hatten und die Königin ihn wie einen alten Hund vor die Tore gesetzt hatte. Ein möglicher Bund von Norden und Süden durch Heirat war so nun dahin.

Erneut brodelte die Wut in ihr und sie fragte sich nicht zum ersten Mal, was im Kopf der Königin wohl vorging. Erst kürzlich auf dem Markt hatte sie sich eigenartig gegenüber Forthwyn, dem Pferdzüchter verhalten, ob gespielte oder tatsächliche Empörung über sein Fernbleiben, wegen der Rettung einer jungen Frau, konnte Torvi nicht herausfinden. Sie beschloss aber, dem nachzugehen.
Torvi verstand Irene einfach nicht, die offen mit Valentin, dem Markthändler flirtete, zum Vorteil wie sie vernommen hatte und einer anderen Dame lächelnd als Rat weitergab. Die Kräuterkundige aus Nordwacht erinnerte sich, wie sie ungläubig den Kopf geschüttelt hatte und beschloss, sie danach um ein Gespräch zu bitten. Die Königin empfing sie zu einem persönlichen Gespräch, zeigte sich aber unnachgiebig und selbst Steiner, der später dazu stieß, äußerte eine Bitte…eine BITTE?! Der Großjarl, der offenbar nie eine Bitte an die Königin gerichtet hatte, so wie er selbst sagte, bat die Königin um Zeit und Verständnis, was ihren Taufpaten anbelangte.

Auch beim Thing hatte Steinar sie überrascht, ebenso wie eine Äußerung einer jungen Nord, die sie erst kürzlich kennengelernt hatte. Elin aus Druidenwald, die Torvi zu Hilfe gerufen hatte, als es um Leben und Tod ging. Offenbar um mehr, wie ihr Gefühl ihr sagte, als sie der jungen Frau beim Thing zuhörte. Ihrem Instinkten folgend lud sie die betrübte junge Frau nach Nordwacht ein, wie auch viele andere nach dem Thing zu Besuch kamen, um sich besser kennenzulernen und dem neuen Kriegsjarl zu zeigen, was sie konnten.
Die beiden Frauen hingegen saßen bei den Kräutergärten und sprachen lange miteinander, über die Ereignisse von Crussol, Thorwalds Folter, seine Flucht und was offenbar zuvor zwischen ihnen beiden gewesen war. Torvi spürte, dass irgendwas geschehen sein musste und nach freundlichen Worten platze es schließlich aus Elin heraus und Torvi hörte sich geduldig ihre Geschichte an. Sie erzählte ihr, dass Thorwald ohne ein Wort einfach gegangen war und sagte, sie fühle sich wegen dem was geschehen war, als hätte ihr jemand einen Dolch ins Herz gerammt. Torvi wusste nur zu gut was sie meinte, nahm sie in den Arm und spendete ihr Trost. Sie offenbarte Elin, dass sie ihr unendlich dankbar dafür war, dass sie Thorwald lebend nach Druidenwald gebracht hatte und erzählte Elin auch, dass sie am Boden zerstört gewesen sei und geglaubt hatte, er sei tot. Erst als die junge Nord jenseits des Fluss zu ihr kam und berichtete, er lebe noch, setzte ihr Herz für einen Moment aus und gab ihr wieder Hoffnung. "Du hast mir meine Welt zurück gebracht.", hatte sie zu Elin gesagt und bedankte sich überschwänglich bei ihr, aber auch um sie von einer unangenehmen Frage abzulenken, die Elin zuvor gestellt aber Torvi noch nicht darauf geantwortet hatte.
Dankbar für ihre Ehrlichkeit und Offenheit bot Torvi ihr an, fortan als Freundin für sie da zu sein und beobachtete, wie Elin zunächst überrascht, aber dann glücklich einwilligte. Für einen kurzen Augenblick schien der Schatten von ihr abgefallen zu sein.
Torvi war glücklich, neben Taluna nun eine weitere Freundin zu haben, aber etwas in ihr nährte die Zweifel und sie würde nochmal in den Süden reiten müssen, um sich selbst davon zu überzeugen. Schließlich hatte der Großjarl einen Auftrag für sie, den sie auszuführen hatte und war gemeinsam mit Trystan gen Süden aufgebrochen.

Torvi ging wieder herüber zu Norna und saß auf und lenkte sie zurück Richtung Nordwacht. Auch wenn sie die Zügel eigentlich nicht brauchte, denn irgendwie schien Norna immer zu wissen, wohin ihre Reiterin wollte und so wanderten ihre Gedanken erneut und blieben bei Trystan hängen. Lächelnd dachte sie daran, wie er ihr vor einigen Tagen Wildblumen aus den Bergen mitgebracht und sie ihr mit hochrotem Kopf überreicht hatte.
Mit großen Augen und überrascht wusste sie zunächst gar nicht, wie ihr geschah. Sprachlos betrachtete sie das Geschenk, welches zu dieser Jahreszeit schon fast einem Wunder glich. Im nächsten Moment hatte sie die Blumen in einem der kleinen Kräutergärten eingepflanzt, um sie zu pflegen und jeden Tag betrachten zu können. Die junge Frau wusste nicht, womit sie dieses Geschenk verdient hatte, war ihm aber unendlich dankbar, da er offenbar genau wusste, worüber sie sich freuen würde. Und dass er stets versuchte, sie aus ihren trüben Gedanken zu reißen und sie zum Lachen zu bringen. So wie sie es zuvor bei ihm getan hatte.

Flüchtig strich sie über den Schmuck an ihrem Hals, ohne dass es Trystan bemerkte, während sie gen Süden ritten und fragte sich erneut, womit sie all das verdient hatte, und warum sie auf einmal so viel Aufmerksamkeit bekam.

Hatte sie sich verändert?

Oder hatte er sie verändert?
Letzte Änderung: 2 Jahre 9 Monate her von Torvi.

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2 Jahre 10 Monate her - 2 Jahre 9 Monate her #690 von Torvi
Torvi antwortete auf das Thema: Tochter der Nanna
Das Haus am Meer

„Pass auf dich auf“, war der letzte Satz, den Elin lächelnd zu ihrer Freundin sagte, bevor sich die zwei Frauen umarmten, voneinander verabschiedeten und Elin sich auf den Heimweg machte. Die junge Frau wartete, bis die Reiterin aus ihrer Sicht verschwand und ging schließlich zurück in die Apotheke.
Der sanfte und angenehme Duft der Kräuter, der ihr bereits seit der Kindheit vertraut war, wehte ihr entgegen als sie die Tür öffnete und eintrat.
Salbei, Thymian und Rosmarin hingen in getrockneten Bündeln von der Decke und unter anderen Umständen hätte der Geruch der Kräuter sie erfreut und besänftigt, aber in diesem Moment schafften sie es nicht, Torvi zu beruhigen. In sich zusammengesunken saß sie auf dem kalten Boden bei der Tür, an der dir sich angelehnt hatte und auf den Boden gesunken war. Die kühle Dielen unter ihr nahm sie allerdings kaum wahr. Sie starrte auf ihre zitternden Hände, bemerkte die kleinen Wölkchen, die sich beim ausatmen vor ihrem Gesicht bildeten und versuchte, die Hände über die Arme reibend, die Kälte aus ihrem Körper zu vertreiben. Vergebens. Erschöpft und frierend gab sie es auf.

Der Tag hatte einfach zu viel von ihr gefordert.

Nach einigen Momenten stand sie auf, goss sich das kalte, klare Wasser aus einem der Fässer in eine Teekanne und entzündet ein Feuer im Stövchen, auf das sie das Gefäß stellte. Zwischen den getrockneten Kräutern suchte sie nach etwas Bestimmten und als sie es fand, zerrieb sie sanft die Blätter zwischen den Fingern und gab ein paar der zerriebenen Kräuter in das Wasser. Es dauerte lange, bis das Wasser heiß wurde und einen angenehmen Duft verströmte.
Die junge Frau nahm eines der Tongefäße vom Regal, füllte es vorsichtig mit dem heißen Tee und genoss den warmen Schauer, den das Getränk in ihr auslöste. Erst als sie die Kanne gänzlich ausgetrunken hatte, setzte der erhoffte Effekt ein und ihre Gedanken wurden klarer, der Herzschlag ruhiger, der Körper wärmer. Torvi suchte in einem der Truhen nach einem Schafsfell, legte es vor die Sitzbank und ließ sich darauf nieder. Den Kopf an die Bank gelehnt, starrte sie die Decke an, welche die junge Heilerin mittlerweile fast komplett mit allerlei getrockneten Kräutern behängt hatte. Sie sah sich um. Auf Regalen standen kleine Gefäße, fein säuberlich beschriftet und sortiert. Leinenstoffe für Verbände hingen griffbereit an der Wand und ihr Besteck lag geordnet auf dem Tisch, welches sie zuvor gesäubert hatte. Pergamentrollen mit Namen, Erkrankungen, alten und neuen Wunden und zuletzt angewendeten Heilmethoden, lagen aufeinandergestapelt in einem kleinen Regal, welches sich langsam füllte. Nordwacht wuchs stetig, selbst im Winter und die Männer neigten aufgrund ihres Eifers beim Bau zu allen möglichen Verletzungen und wäre das nicht schon genug Arbeit, prügelten sie sich auch noch gerne. Bran hatte ein offizielles Prügelverbot ausgesprochen und jeden, den er dabei erwischte, musste einen Teil seines Lohns an die Dorfkasse abtreten.
Ihr Blick glitt zu einer Schriftrolle, die eine kleine Staubschicht aufwies und etwas abseits der anderen lag. Ohne den Namen auf dem kleinen Schild zu lesen, welches mit einem Leinenzwirn um die Rolle gewickelt war, wusste sie ganz genau, wessen Wunden und Heilungen sie dort dokumentiert hatte.

Es war Thorwalds Pergamentrolle.

Die junge Heilerin, die noch so vieles zu lernen hatte, seufzte schwer und ihr Blick wanderte weiter.
Der Mörser stand noch auf dem Arbeitstisch und verströmte einen intensiven, beinahe unangenehmen Geruch. Die Zubereitung für das dringend benötigte Flussmittel. Sie hatte ihn beiseitegelegt, als Elin sie bei der Arbeit unterbrochen hatte. Doch sie würde erst morgen damit fortfahren, auch wenn die monotonen Bewegungen einen hypnotischen Effekt auf sie ausübte und sie deswegen beinahe Elins Klopfen an der Apothekentür nicht vernommen hatte. Mittlerweile war es dunkel geworden, sie würde die Arbeit also ohnehin erst morgen weiterführen können.
Erschöpft schloss Torvi die Augen.
Was war das nur für ein Tag gewesen? Dabei wollte sie doch nur mit ihren engsten Vertrauten den Sonnenuntergang am Meer genießen, in vertrauter Umgebung mit ihnen Met trinken, lachen und Geschichten erzählen, Pläne schmieden und am Morgen den Sonnenaufgang bewundern…

Sie ritten am Tag zuvor gen Süden, um Thorwald die Nachricht ihres Großjalrs zu überbringen, mit die junge Nord beauftragt wurde, da sie die einzige war, die wusste wo er sich befand. Trystan bestand darauf, sie gen Süden zu geleiten und sie notfalls zu beschützen. Gerührt willigte sie ein, hätte sie es ohnehin nicht geschafft, den edelmütigen Christen umzustimmen, der sich um ihre Sicherheit sorgte. Anbetracht dessen, wie offen die Franken gegen den Norden vorgingen, war Torvi mehr als dankbar, dass er sie begleitete.
Im Süden, bei einem kleinen Dorf angekommen, wurden sie herzlich von Thorwald empfangen und sie sprachen lange bei einem guten Met über vergangene Ereignisse. Torvi erzählte ihm von den Beschlüssen des Thing und berichtete, dass der Großjarl einem Entwurf zugestimmt hatte, in dem die Gesetze des Nordens niedergeschrieben und an den Süden überreicht werden sollte. Sie erzählte ihm auch, dass Steinar mit ihm reden wolle, doch bevor sie weiter auf die Botschaft eingehen konnte, hörten die drei Freunde vor dem Haus das Schlagen von Hufen auf Stein. Die zwei Männer und die junge Frau waren hocherfreut, als Taluna plötzlich auftauchte und sie alle mit einem breiten Grinsen begrüßte. Gemeinsam saßen sie in dem kleinen Fachwerkhaus, aßen, tranken und lachten zusammen. Es fühlte sich an wie früher, als Thorwald noch in ihrem Dorf lebte. Lächelnd hatte sie beobachtet, wie Nordwachts ehemaliger Schmied und Pferdezüchter Taluna neckte, diese ihm aber Kontra gab, woraufhin Torvi und Trystan in schallendes Gelächter ausbrachen und die beiden anderen sich diesem anschlossen. Sie lachten. Bei den Göttern, wann hatte sie das letzte Mal so unbeschwert und frei gelacht? Torvi lehnte sich zurück und fühlte die Vertrautheit und Bindung zwischen den Anwesenden. Sie genoss die Unbeschwertheit, mit der sie sich unterhielten. Genoss das schelmische Grinsen Talunas, Thorwalds derbe Witze und Trystans träumerischen Blick, der zwischen den beiden Frauen hin und her glitt. Sein Schweigen hatte eine beruhigende Wirkung. Torvi entging nicht, wie Thorwald sie ansah, sie beobachte und, als sie später aufstand um Taluna zu verabschieden, flüchtig ihren Arm berührte. Gemeinsam standen sie draußen, wünschten Taluna eine gute Heimreise und warteten, bis sie außer Sicht war. Der Abend war noch jung und so schlug Torvi einen Ausritt vor.

Hätte sie doch nur den Mund gehalten…

Am frühen Abend, nachdem Taluna gegangen war, ritten sie gemeinsam von Thorwalds neuer Heimat los und kamen schließlich, ohne Trystan, am Meer an. Anfangs dachte Torvi noch, dass Trystans Pferd nicht mit ihnen mithalten konnte und stellte fest, dass ihr Herz aufgeregt klopfte, als sie mit Thorwald allein beim Haus am Meer stand. Wann waren sie das letzte Mal allein gewesen?
Die untergehende Sonne tauchte das Holzhaus in ein warmes Licht, während die beiden dort standen und Torvi hoffte, dass er ihre geröteten Wangen nicht bemerkte. So viele Fragen hatten sich angehäuft, die sie ihm allein unter vier Augen stellen wollte und geduldig hörte er ihr zu. Der ehemalige Nordmann bestätigte ihren Verdacht, dass die Königin ihn von sich und ebenso aus ihrem Herzen gestoßen hatte und gestand ihr auch, dass er der einen oder anderen Frau in vergangener Zeit näher gekommen war. Doch niemals so nah, wie mit seiner geliebten Königin. Betrübt senkte er den Blick. Was immer er auch wegen ihr dachte oder noch für sie empfand, er verschwieg es. Aber es war ihm anzusehen, dass es ihn immer noch belastete, er immer noch darunter litt. Er wagte es nicht einmal, Torvi dabei anzusehen. Es schmerzte sie, ihn so zu sehen und so entschloss sich die junge Frau, nicht weiter nachzufragen. Stattdessen wollte sie ihm noch etwas sagen, was ihr auf dem Herzen lag, doch kam sie nicht mehr dazu, denn ein Reiter näherte sich im wilden Galopp der Holzhütte. Seinem gehetzten Gesichtsausdruck entnahm sie zunächst, dass etwas auf dem Weg hierhin geschehen sein musste, doch im nächsten Moment sprang Trystan von seinem Pferd und brüllte etwas lautstark in ihre Richtung.

„Halt dich von ihr fern!“

Überrascht und erstaunt schauten beide ihn an, verwirrt was er damit meinte und es dauerte nicht lange, bis offenkundig wurde, welche Intention Trystan mit seinem Ausruf verfolgte. Hastigen Schrittes kam er zu ihnen geeilt, blieb mit etwas Abstand vor ihnen stehen und forderte Thorwald auf, sich von der jungen Frau fernzuhalten. „Ich lasse nicht zu, dass ein weiteres Herz von dir gebrochen wird und Torvi zu einer deiner Gespielinnen wird!“, schrie er voller Wut seinem Schwertbruder entgegen und ballte die Fäuste. Dieser wiederum stellte sich schützend Torvi und funkelte Trystan wütend an. Die Spannung zwischen den beiden Männern wurde intensiv und beinahe spürbar. Worte und Drohungen wurden ausgetauscht und ihrem inneren Instinkt folgend, stellte sich Torvi zwischen die beiden und beschwor Trystan zu überdenken, was er hier seinem Freund an den Kopf warf. Gleichzeitig versuchte sie Thorwald zu beschwichtigen, denn sie kannte sein Temperament, was ihrem eigenen so ähnlich war.
„Mir ist durchaus bewusst, wem ich es sage und ich werde um dich kämpfen Torvi, werde nicht zulassen dass er dich verletzt!“, erwiderte er nur und ignorierte ihre Versuche, eine Auseinandersetzung zu verhindern. Unternahm sie Nichts, würde es vermutlich in einem Kampf enden. Die junge Frau aus dem Norden hatte nicht bemerkt, dass Thorwald mittlerweile ruhig geworden war, hörte seine Worte nicht, dass er niemals das Schwert gegen seinen Freund erheben würde. Auch Trystan bestätigte ihr, er sei nicht gewillt, seinen Freund und Schwertbruder zu verletzten. Aber er könne auch nicht hinnehmen, wie er durch die Lande streifte und auf seinem Wege gebrochene Herzen zurück ließ. Seine Ehre gebot ihm, seinen Freund aufzuhalten und wenn es sein musste, Torvi vor ihm zu schützen. Auch seine Worte drangen nicht zu ihr durch, denn Erinnerungen aus vergangenen Tagen überlagerten ihre Sinne, legten sich wie ein schwerer Nebelschleier auf sie, ebenso wie die Angst, einen der beiden wegen ihr zu verlieren.

Bei den Göttern, nicht noch einmal!

„Ich wollte mit euch beiden den Sonnenuntergang genießen, mit euch trinken, mit euch reden und Pläne schmieden! Nun ist es dunkel und ihr habt nichts Besseres im Sinn, als euch wie Wölfe anzuknurren und euer Revier zu markieren! Hier wird keiner um mich kämpfen! Nicht schon wieder!!“, schnauzte sie in ihrer Wut die beiden Männer an, die sie verdutzt anstarrten und flüchtete zu Norna, gewillt die beiden Streithähne sich selbst zu überlassen. Sie würde nicht zulassen, dass sich Geschehenes noch einmal wiederholte und schwang sich auf den Rücken des Pferdes.
Aufgewühlt durch den Streit der zwei Männer, bemerkte sie nicht wie Norna auf ihre Emotionen reagierte und diese spiegelte. Dann geschah etwas, was sich noch nie zuvor zugetragen hatte. Die sonst so treue und temperamentvolle Stute wurde unruhig, verlagerte das Gewicht auf die Hinterläufe und stieg. Torvi stürzte aus dem Sattel, da sie mit so einer ungewohnten Reaktion des Pferdes nicht gerechnet hatte. Sie fiel den leichten Abhang hinab, an dessen Kuppe nun Norna ohne sie stand und nervös schnaubte. Thorwald beruhigte das nervöse Tier mit sanften Worten, hielt die Stute am Zügel und sprach ruhig auf sie ein, während Trystan den Abhang hinunter sprang, sich zu Torvi kniete und sie fragte, ob es ihr gut ging.
Wütend starrte die junge Frau das Pferd an, seufzte aber schließlich, da ihre geliebt Norna nichts dafür konnte. Sie waren verbunden und so wunderte es Torvi nicht, dass sie auf ihre Gefühle reagiert hatte. Die Schuld lag allein bei ihr, dachte Torvi wehmütig. Ihr Blick glitt zu Thorwald, der es geschafft hatte, das nervöse Tier zu beruhigen und ihre Blicke trafen sich. Er lächelte, nahm Nornas Zügel und kam mit ihr zu den beiden den Abhang hinab. Halt suchend ging Torvi zu ihrem Pferd und vergrub das Gesicht in der Mähne der Stute.
Die zwei Männer, so unterschiedlich wie sie nur sein konnten, warteten ruhig aber dennoch besorgt. Keiner sagte ein Wort.
„Hast du dich verletzt?“, brach Trystan schließlich die Stille und verneinend schüttelte die junge Frau den Kopf. „Ich habe mich nicht verletzt, …aber jemand anderes, mein Freund“, sagte sie zögerlich und sah ihn mit rot unterlaufenden Augen an.
„Was bei den Göttern ist nur in dich gefahren?“, fragte sie beinahe flüsternd.
Geschollten und zähneknirschend senkte Trystan den Blick, antwortete aber nicht. Er suchte offenbar nach den richtigen Worten auf ihre Frage, schwieg aber weiterhin und die Stille, die sich nun auf die drei Freunde legte wurde nur vereinzelt von Nornas Schnauben unterbrochen, die sich wie Torvi unwohl fühlte. "Wir überlassen es dir, für wen du dich entscheidest.", sagte Thorwald schließlich und brach das Schweigen. Seine Worte waren sanft, hoffend und voller Zuversicht, aber Torvi starrte ihn entgeistert an und ihr Blick wanderte hektisch zwischen den beiden Männern hin und her, unsicher was sie tun oder sagen wollte. Norna reagiert erneut auf die junge Frau und schnaubte nervös. "Ich kann und ich werde mich nicht hier und jetzt entscheiden!", sagte sie bestimmend und suchte in den Augen der Männer nach Verständnis. "Wie kannst du soetwas von mir verlangen?" , fragts sie ihn flehend. Ihr entging nicht, wie Thorwald enttäuscht ihrem Blick auswich und sie überlegte fieberhaft, wie sie dieser unangenehmen Situation entfliehen konnte. Trystan beobachte sie sanft, wirkte gar erleichtert, da sie sich nicht entschieden hatte und spendete ihr daraufhin, mit seiner mitlerweile ruhigen Präsenz, Trost und es dauerte lange bis Torvi erneut zu den beiden sprach.
„Trystan…Thorwald…ich möchte, dass ihr mir etwas schwört.“, sagte sie schließlich, um die Stille zu brechen, die ihr unerträglich wurde.
„Schwört mir, dass ihr NIE um mich kämpfen werdet!“, flehend sah sie die beiden Männer an, hoffend, dass sie ihre Bitte verstehen würde. Sie könnte es sich nicht verzeihen, wenn es zwischen zwei Brüdern, obgleich nicht vom selben Blute, wegen ihr zum Streit kam und Blut floss. Zuzusehen, wie Bruder gegen Bruder kämpfte, könnte sie kein weiteres Mal ertragen.
„Schon wieder ein Schwur“, murmelte Thorwald widerstrebend, atmete schwer und fügte dann resignierend hinzu „Ich schwöre es dir, bei meinem Herzen, welches dir gehört“. Gerührt und voller Dankbarkeit sah Torvi ihn an, sah die Gefühle in seinem Blick, die aufrichtig waren. Jedoch war die junge Frau unsicher, verlor er sein Herz offenbar recht schnell. Er war wie ein Wildpferd, ungezähmt und unstet wie der Wind. Sie schüttelte den Gedanken ab, erinnerte sich an seinen Brief und sah erwartungsvoll zu Trystan.

„Bei Freya und Tyr, ich schwöre es dir!“, sagte er voller Überzeugung und erntete erstaunte Blicke. Verdutzt schauten die beiden ihn an und es war kaum zu sagen, wer überraschter war, diese Worte aus dem Mund eines bekennenden Christen zu hören.
„Trystan du schwörst auf die alten, auf unsere Götter?“, fragte Torvi erstaunt, unsicher ob sie das wirklich von ihm gehört hatte. Auch, dass er gerade auf diese beiden schwor, erschien ihr beinahe unwirklich.

Freya, Göttin der Liebe und Treue.
Tyr, Gott der Ehre und des Mutes.

Er lächelte und hob beschwichtigend die Hände. „Ja ich bin Christ und ich glaube an das, was man mich lehrte. Aber eure Gebete werden offenbar ebenso erhört, wie die unseren. Womöglich gibt es sie ja doch.“, er stockte kurz, schaute fest in Torvis blaue Augen und fügte noch hinzu „ Außerdem, haben sie mich zu dir geführt und für dich bin ich bereit, vor Gott und den Göttern diesen Schwur abzulegen.“ Er sah beide dabei an, ihm schien es wirklich ernst damit.
„Dass du mir nicht wegen einer Frau den Glauben aufgibst!“, sagte Thorwald grinsend. Ausgerechnet er sagte dies, um die Situation aufzulockern. Ein verliebte Narr, der sich der Liebe wegen hatte taufen lassen und vor aller Augen seinen Glauben zum Schein abgeschworen hatte. Torvi und Trystan schauten ihn entgeistert an, doch im nächsten Moment lachten sie herzlich über Thorwalds Worte, der sich selbst in diesem Moment nicht ernst nahm und es bewusst so formuliert hatte, dass alle wussten, wie es gemeint war.

Bei den Göttern, sie lachten.

Froh darüber, dass Lokis List gescheitert war, schenkten die Götter den drei Freunden einen wunderschönen Sonnenaufgang und so sahen sie dabei zu, wie sich die Menschen in den Schnee setzten und friedlich die ersten Strahlen des neuen Tages bestaunten.
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2 Jahre 10 Monate her - 2 Jahre 9 Monate her #709 von Torvi
Torvi antwortete auf das Thema: Tochter der Nanna
Das Götteropfer

Die Kräuterbeete glitzerten in der Sonne, als die junge Frau aus ihrem Haus trat und wie jeden Morgen den Ausblick auf ihren Garten genoss. Sanfter Nebel erhob sich, während die ersten Strahlen der Sonne den Frost auf den kleinen Pflanzen erwärmte. Sie liebte den Anblick, stand gern früh auf um sich verträumt auf die Bank vor ihrem Haus zu setzen und zu beobachten, wie ihr Garten langsam zum Leben erwachte. Die junge Frau lächelte, als sie die ersten Boten des Frühlings erhaschte, welche eifrig nach Nektar suchten. Sie beobachtete sogar, wie ein Schmetterling sich auf die weißen Blätter ihrer Wildblumen setzte, die Trystan ihr vor einiger Zeit geschenkt hatte. Der Anblick erwärmte ihr das Herz und so saß sie noch lange Zeit dort, bis sie die Rufe der Tiere vernahm, die wie jeden Morgen von Torvi gefüttert wurden.
Doch bevor sie aufstand und sich ihrem Tagwerk widmete, strich sie zärtlich über die Blumen, zupfte hier und da einen ungebetenen Gast aus ihren Kräutergärten und sprach mit sanfter Stimme ein Gebet, um die Göttin des Frühlings zu ehren und ihr zu danken. Aber auch Skadi dankte sie, die sich nach langen und kalten Winternächten schlafen legte und ihrer Schwester nun den Frühling brachte.
Die junge Nord hatte ihren Schwur nicht vergessen und nachdem sie die Tiere gefüttert und ihren Jarl um ein Opfertier gebeten hatte, stimmte dieser nickend zu. „Möge die Göttin dich leiten und das Opfer uns alle segnen!“, sagte Bran, legte ihr anerkennend eine Hand auf die Schulter und sah sie dabei sanft an. „Der Winter war hart und wir haben viele neue Mäuler zu stopfen, aber die Götter haben unser Dorf gesegnet. Nun obliegt es dir, das Opfer auszusuchen, welches unser Dank an sie sein soll, liebe Torvi“.
Nordwacht war für wahr gewachsen und sie vernahm bereits das rege Treiben hinter den halbfertigen Mauern, die bald ihr ganzes Dorf umschließen würden. „Ruf uns, wenn alles vorbereitet ist. Wir wollen gemeinsam den Göttern danken!“, sprach der Jarl von Nordwacht, bevor er sich mit einem Lächeln verabschiedete. Von Stolz erfüllt, sah sie ihm nach. Sie war dankbar, dass er ihr diese wichtige Aufgabe übertrug. Oder wusste er, wie wichtig es für sie war? Lächelnd schüttelte sie den Kopf, wollte gerade zum Stall gehen, als sie im nächsten Moment stehen blieb. Nein, sie würde kein Tier aus dem Stall opfern. Ihr Blick glitt zum nahegelegenen Berg und sie fasste den Entschluss, Skadi gebührend zu ehren und ihr ein Jagdopfer zu bringen. Sie wusste auch schon ganz genau, nach welchem Tier sie suchen würde.

Ganz Nordwacht hatte sich um das Monument versammelt, nachdem Torvi mit einem Wildhasen zurückgekehrt war und ein weißes Gewand angelegt hatte. Ihre Haare, von der Farbe des Morgenrots, trug sie offen, welches ihr in sanften Wellen auf die Schulter fiel. Ein Kranz aus Zweigen zierte ihr Haupt, sowie das erste Geweih eines jungen Hirschs. Die Männer hatten ihn während Torvis eigener Jagd erlegt, um nach dem Ritual gebührend zu feiern.
Sie war nun nicht mehr Torvi sondern verkörperte symbolisch die Göttin des Frühlings, wie sie es in ihrer Heimat schon sooft getan hatte.
Sie sprach die rituellen Worte, segnete das sich windende Geschöpf und schnitt schließlich dem Tier mit dem schneeweißen Fell die Kehle durch. Sie hörte, wie hinter ihr jemand scharf die Luft einsog, wusste, dass es für Trystan ein barbarischer Anblick sein musste. Doch sie waren ein Dorf, eine Familie. Sie akzeptierten einander, auch wenn es ab und an Meinungsverschiedenheiten gab.
Langsam drehte sich die junge Frau um, hielt die Schüssel hoch, in der sie das dampfende Blut des Tieres aufgefangen hatte, und sprach die rituellen Worte des Dankes an die Götter. Sie ließ die Finger ihrer rechten Hand in die Schüssel gleiten, fühlte das warme Blut und fuhr sich damit über das Gesicht. Die junge Frau bat Bran nun mit einem Kopfnicken, vorzutreten.
„Mögen die Götter dich segnen, Bran Olavson. Jarl von Nordwacht. Earl von Middenheim. Gesandter des Nordens!“, sprach sie mit kräftiger Stimme und malte die Rune für Stärke quer über sein Gesicht. Das Blut dampfte in der noch kalten Luft. „Mögest du weiterhin unser Dorf führen, uns leiten und verteidigen!“. Der Jarl senkte demütig den Kopf, unterwarf sich symbolisch den Göttern und schaute dann mit kraftvollem Blick zu ihr auf.
„Ehre den Göttern!“, rief er.
„Ehre den Göttern!“, erschallte es als Antwort aus der Menge.
Nacheinander traten die Bewohner der Siedlung vor, ließen sich von der jungen Frau segnen und ein jeder erhielt eine Rune, die für ihn bestimmt war und sein Wesen beschrieb. Als letzter trat Trystan vor, senkte das Haupt und kniete vor Torvi nieder.
„Mögen die Götter dich segnen und dich mit offenen Armen empfangen“, änderte sie die Segnung, wissend, dass er eigentlich einem anderen Glauben angehörte. Als sie auch ihm mit dem Blut über das Gesicht strich, spürte sie, wie er kurz und kaum merklich zusammen zuckte. Sie fühlte sein Unbehagen, aber dann sah er ihr fest in die Augen, sah sein Vertrauen und lächelte unwillkürlich. „Tapferkeit“ war nun auf seinem Gesicht zu lesen. Sie hatte nicht darüber nachgedacht und sich von den Göttern leiten lassen.
Mit einer fließenden, jahrelang gewohnten Handbewegung, bedeutete sie dem jungen Mann , sich zu den anderen zu begeben und legte die Schüssel mit dem noch warmen Blut vor das Monument.
„Ehre den Göttern“ rief sie ein letztes Mal.
„Ein Zyklus ist vorüber! Mögen die Götter einen weiteren über uns wachen und uns segnen!“
„Ehre den Göttern“, erschallte es als Antwort.
Ihre Hand vollends darin eingetaucht, ließ sie das kostbare Blut abtropfen und presste die Hand auf den kalten Stein des Monuments und bedeutete jedem, es ihr gleichzutun. Viele blutige Abdrücke zierten nun das Denkmal. Sie wartete, bis alle den Platz verlassen hatten und sie langsam wieder zu sich selbst fand. „Einer fehlt“ , dachte sie wehmütig, als sie die Handabdrücke betrachtete. Torvi ging den Weg hinab zu ihrem Haus, schloss die Tür hinter sich und zog sich gänzlich zurück. Sie streifte das Kleid ab sowie die Rolle, die sie zuvor noch gespielt hatte. Sie zitterte, als sie unbekleidet vor der Truhe stand, in der sie das rituelle Gewand hineingelegt hatte. Vorsichtig strich über den weichen Stoff, schloss den Deckel und zog ihre normale Kleidung wieder an. Seufzend atmete sie durch. "Ich bin wieder ich", dachte sie, unsicher ob das jetzt gut war oder sie die Stärke vermisste, die sie eben angesichts der Götter gespürt hatte. Erst im nächsten jahr würde sie es wieder tragen, diese Stärke fühlen und sie fragte sich, was das neue Jahr wohl bringen würde. Aber auch, was das alte ihr gebracht hatte. Ihr Herz schlug schneller und ihr Gesicht wurde warm, als sie erötete. Als Torvi schließlich zurück zu der feiernden Menge gehen wollte und dir Tür ihres Hauses hinter sich schloss, sah sie aus dem Augenwinkel eine sich bewegende Gestalt.
Die junge Frau drehte den Kopf, wollte genauer sehen, was sich dort bewegt hatte und hielt erstaunt den Atem an.
Zwei Raben hüpften neugierig durch ihren Garten, drehten den Kopf und schauten Torvi neugierig an. Doch dann flogen sie im nächsten Moment aufgeschreckt fort, nachdem sich Norna schnaubend bemerkbar gemacht hatte. Wehmütig sah sie dem Rabenpaar hinterher, die in der Ferne verschwanden.
Letzte Änderung: 2 Jahre 9 Monate her von Torvi.

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2 Jahre 10 Monate her - 2 Jahre 9 Monate her #733 von Torvi
Torvi antwortete auf das Thema: Tochter der Nanna
Nachtmahr

Ein vertrautes Geräusch, erst kaum wahrnehmbar doch dann immer stetiger. Sie hörte das Säuseln des Wassers und atmete den frischen Wind, der ihr entgegenwehte. Der Geruch, den er an sie herantrug, kam ihr vertraut vor.

„Heimat“

Sie öffnet die Augen und erkannte vor sich den Fjord, an dem sie aufgewachsen war. Das Geräusch des Wassers wurde lauter und erst jetzt erkannte sie, dass der Boden unter ihr wankte. Die junge Frau stand in einem Langboot, mit Runen und Mustern verziert, welches wie von Geisterhand über das Wasser zu gleiten schien. Eine Bewegung im Augenwinkel weckte ihre Aufmerksamkeit. Hatte sich der Rabe etwa gerade bewegt, der auf einem Schild abgebildet war, welches am Rand des Bootes hing? Sie schüttelte den Kopf und beobachtete wehmütig das Dorf, welches stumm an den Ufern des Fjords lag. Genauso wie sie es in Erinnerung behalten hatte. Aber etwas stimmte nicht. Stumm war es in dem Dorf eigentlich nie gewesen. Nebel stieg im nächsten Moment vom Wasser auf und umhüllte die einfachen Häuser aus Holz, ergoss sich zwischen den Gassen und nahm schließlich die ganze Siedlung ein. Verwundert sah sie sich um und bemerkte, dass sich auf der Reling leichter Raureif gebildet hatte. Aber warum fror sie nicht? Die Frau aus dem Norden, die zwar Kälte gewohnt war, aber dennoch nicht dagegen gefeit, stutzte. Vorsichtig streckte sie die Hand aus, um die Reling zu berühren, schreckte jedoch sofort wieder zurück. Hatte sich in dem Wasser gerade etwas bewegt? Nervös sah sie sich um und suchte nach dem vertrauten und beruhigenden Anblick ihrer Heimat. Doch da war nichts mehr, außer dichter Nebel. Sie hörte Stimmen, von dem Ort wo eben noch die Siedlung gewesen war. Nein, keine Stimmen.

Schreie!

Doch warum kamen sie ihr so vertraut vor? Dort drüben, war da etwa Licht? Feuer!
Sie sah eine Bewegung in der Ferne, es sah aus wie ein kleines Boot. Eine Person saß darin, doch sie konnte die Gestalt nicht genau erkennen. Der Ruf von Raben lenkte ihre Aufmerksamkeit gen Himmel und sie erhaschte dort die gefiederten Boten des Schicksals, welche über ihrem Kopf kreisten und schließlich weiterzogen.
Waren das etwa weiße Federn gewesen?
Verwirrt rieb sich Torvi die Augen und als sie wieder aufschaute, war da wieder nur der dichte Nebel, der ihr die Sicht raubte. Die junge Frau setzte sich, erneut darüber verwundert, dass sie die Kälte nicht spürte. Beinahe instinktiv zog sie ihren Mantel enger um sich. Sie spürte die Kälte nicht von außen, sondern fühlte sie tief in sich, wie sie ihren Körper nach und nach in Besitz nahm. Kaum hatte sie diesen Gedanken gefasst, bildete ihr Atem weiße Nebelschwaden vor ihrem Gesicht.
Ein Wiehern in der Ferne schreckte die junge Frau auf. War das etwa Norna? Erschrocken stand sie auf, das Boot wankte unter ihren Bewegungen, als sie sich am Mast festhielt, in der banalen Hoffnung, dass er ihr Halt gab.
„Norna?“, rief sie verzweifelt. „NORNA !!!“

Stille.

Wimmernd sackte die junge Frau zu Boden. Was bei den Göttern war hier nur los?
Langsam und beinahe totenstill glitt das Boot über das Wasser. Das einzige Geräusch, welches an ihre Ohren drang und ihr Angst einflößte, war das monotone Geräusch von Wellen, die sich am Bug des Bootes brachen. Eigentlich liebte sie das Meer, die Flüsse und Bäche, selbst den Regen, aber dieser Fluss ängstigte sie zu tode. „Nanna, hilf mir“, flüsterte sie und schloss die Augen für ein stummes Gebet. Das Rauschen des Wassers wurde lauter und Torvi seufzte erleichtert auf, als sie die Augen wieder öffnete. Der Nebel hatte sich gelichtet und sie erkannte die Ufer des Flusses, doch nicht nur das. In der Ferne erhaschte sie dunkle Gestalten und erst als das Boot sich näherte, erkannte sie die vertrauten Gesichter, die sich an den Ufern des Flusses gegenüberstanden: Trystan und Thorwald!
Torvi stand auf, erfreut darüber nicht mehr allein zu sein, winkte den beiden freudig zu und rief ihnen entgegen.

Stille.

Kein Wort drang aus ihrem Mund. Ungläubig umfasste sie ihren Hals und fühlte, wie etwas ihre Kehle zuschnürte. Wurde der Halsschmuck etwa enger? Verzweifelt versuchte sie die Halskette zu öffnen, doch fand sie den Verschluss nicht. Sie bekam keine Luft mehr. Den Tränen nahe versuchte sie erneut, die beiden auf sich aufmerksam zu machen, doch schienen sie keine Notiz von ihr zu nehmen. Schlimmer, sie zogen die Waffen, riefen sich stumme Drohungen zu und näherten sich dem Gewässer. Sie wollte die beiden von ihrem Vorhaben abbringen, sie warnen und schrie vor Verzweiflung, aber kein Laut kam über ihre Lippen. Ein Ruck ging plötzlich durch das Boot, es began zu wanken und ließ die junge Frau erstarren. Dort , wo das Wasser eben noch glatt und ruhig gelegen hatte, bewegete sich etwas im Fluss, welcher sich blutrot gefärbt hatte. Sie schnappte nach Luft, merkte, wie ihre Sinne begannen sich zu trüben und dennoch hätte sie schwören können, das dort etwas im Wasser gewesen war. Dann sah sie zwei bleiche Hände, die sich an der Reling hinaufzogen. Eine fahle Gestalt glitt mit nassen Körper und tropfendem Haar in das Boot, zog sich mit den Armen näher, direkt auf sie zu. Torvi wich vor der sich windenden Kreatur zurück, die sie mit roten Augen anstarrte. Das zu einem Grinsen verzerrte Maul offenbarte spitze Zähne. Dort wo bei einem Menschen Nägel waren, trug das Wesen scharfe Krallen. Die junge Frau, die vor Todesangst zitterte, tat einen weiteren Schritt nach hinten, doch sie hatte bereits das andere Ende des Bootes erreicht. Erst jetzt bemerkte sie, dass das seltsame Wesen den Oberkörper einer Frau hatte, von der Hüfte abwärts jedoch den Leib eines Fisches.

„Sirene“

Hektisch sah sie sich um. Sollte sie ins Wasser springen und versuchen ans Ufer zu schwimmen? Ein Blick das blutrote Gewässer nahm ihr allerdings jegliche Hoffnung. Es brodelte kochend heiß. In ihrer Verwunderung merkte sie nicht, dass sie von hinten gepackt wurde. Eine zweite Gestalt hatte sich hinter ihrem Rücken an der Reling hinaufgezogen, einen Satz gemacht und Torvi an den Schultern gepackt. Die junge Frau verlor das Gleichgewicht und fiel schließlich über Bord ins Wasser. Torvi wand sich, bemerkte nicht einmal mehr, dass ihre Haut nicht vom Wasser verbrannt wurde, sondern schlug wie wild um sich. „ATMEN“, war das einzige, was ihre Gedanken füllte, während sie versuchte sich von den Kreaturen zu befreien, die sie hinab in die Tiefe zogen.
Diese entblößten ihre spitzen Zähne zu einem hämischen Grinsen, rissen an ihrem Haar und zerfetzten ihre Kleidung. Immer tiefer zerrten sie die Ertrinkende hinab, bis Torvi keine andere Wahl mehr hatte. Sie gab ihrem Instinkt nach, atmete ein und spürte, wie das Wasser in ihre Lungen eindrang. Die eigenartigen Gesichter, die ihr aus irgendeinem Grund vertraut erschienen, ergötzten sich an ihren Qualen und schlugen die Zähne und Krallen in Torvis Leib.


Schweißgebadet wachte sie auf, unsicher, ob sie gerade vor Verzweiflung aufgeschrien hatte. Sie spürte, wie Tränen ihr Gesicht benetzten und atmete vorsichtig ein. Sie lebte. Kein Wasser, nur stickige Luft füllte ihre Lungen. Luft, die nach verbrannten Holz roch, welches in der Feuerschalte neben ihrem Bett heruntergebrannt war und nur noch leicht glomm.
Ein Blick zur Seite sagte ihr, dass sie wohl mit einem stummen Schrei erwacht war, denn die Person dort neben ihr, schlief tief und fest. Den Kopf auf die Arme gebettet, halb sitzend und mit dem halben Oberkörper auf dem Bett, beobachtete Torvi, wie sich Trystans Brust in rhythmischen Abständen hob und senkte. Ihr Herz raste wie wild, und selbst der beruhigende Anblick des jungen Mannes, der offenbar die Nacht über sie gewacht hatte, vermochte ihr keinen Trost zu spenden. Wann hatte sie sich schlafen gelegt? Sie erinnerte sich noch, dass sie mit ihm oben bei der Mühle gesessen und sich die ganze Nacht lang unterhalten hatten. Wie sie gemeinsam zunächst den Sonnenuntergang und später den Sonnenaufgang bewunderten. Ihr Trost gespendet hatte, ohne wirklich zu wissen, weshalb sie so am Boden zerstört gewesen war. Aber sie musste ihm nicht sagen, was vorgefallen war. Instinktiv hatte er sie in den Arm genommen, sie beruhigt und war einfach für sie da. Er wollte ihr noch etwas erzählen, doch Torvi sah ihn traurig an und flehte, ihr nichts zu erzählen. Sie wollte es nicht hören, wollte nicht hören, was ihr Herz vermutlich schon wusste. Einen Funken Hoffnung wollte sie sich bewahren, aber ihre Gedanken erstickten selbst diesen in einem Meer von Zweifeln.
Doch was war dann? Vermutlich war sie vor Erschöpfung eingeschlafen und er hatte sie in ihr Haus getragen. Sie lächelte sanft, strich dem treuen Freund sanft durch das Haar und hoffte, dass sie ihn damit nicht weckte.
„Ich danke dir“, flüsterte sie leiste, schloss die Augen und betete zu den Göttern.

„Es war nur ein Traum“, dachte sie erleichtert.

„Ein Alptraum“
Letzte Änderung: 2 Jahre 9 Monate her von Torvi.
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